Ich erlebe gerade einen Wandel in der Art, wie wir arbeiten und sehe, dass KI immer mehr Arbeiten übernimmt, für die früher Mitarbeiter eingestellt wurden. Diesen Mitarbeitern hat man klar gesagt, was sie umsetzen sollten und es wurde anschließend von ihnen ausgeführt. Es waren somit klassische Befehlsempfänger.
Heute werden Mitarbeiter wichtiger, die Probleme erkennen, Verantwortung übernehmen und KI-Systeme steuern können. In diesem Beitrag lest ihr deswegen, warum ich denke, dass dies nicht nur die Ausbildung betrifft, sondern die komplette Struktur eines Unternehmens verändern könnte. Und worauf man sich als Mitarbeiter zukünftig einstellen sollte.
1. Meine These: Der Befehlsempfänger verschwindet
Ich beobachte in der Praxis, dass der mitdenkende Mitarbeiter im KI-Zeitalter extrem wichtig wird. Mitarbeiter, die diese Qualifikation nicht mitbringen, werden es zukünftig schwer haben, im Arbeitsmarkt einen gut bezahlten Job zu finden.
Der Grund dafür liegt in der Entwicklung der KI. Sie übernimmt zunehmend genau die Arbeiten, die früher klassische Befehlsempfänger ausgeführt haben.
Damit meine ich Mitarbeiter, die eine klar formulierte Aufgabe bekommen haben, inklusive einer genauen Beschreibung, wie sie umzusetzen ist.
Aktuell sehe ich das besonders stark bei Arbeiten am Computer. Mit der Weiterentwicklung der Robotik gehe ich aber davon aus, dass auch viele physische Tätigkeiten automatisiert werden, sofern dafür keine intensive zwischenmenschliche Interaktion nötig ist.
Und das hat eine direkte Konsequenz für Organisationen: Ich gehe aber auch davon aus, dass nicht nur Mitarbeiter sich anpassen werden müssen sondern auch Unternehmen. Denn diese müssen zukünftig ein Umfeld schaffen, in dem mitdenkende Mitarbeiter auch tatsächlich eigenständig denken, handeln und Verantwortung übernehmen können.
2. Warum unser Ausbildungssystem noch aus der Industrialisierung stammt
KI bringt aktuell eine der größten Veränderungen mit sich, die wir seit 200 Jahren erleben. Der letzte große Switch fand damals während der Industrialisierung statt. In dieser Zeit wurden viele Arbeitskräfte gebraucht, denen man klare Abläufe gezeigt hat, sei es an einer Maschine oder Fließbändern. Die Aufgabe bestand darin, diesen Ablauf zuverlässig zu wiederholen.
Unser Bildungssystem und viele betriebliche Strukturen sind bis heute stark von dieser Logik geprägt. Menschen lernen, Wissen auswendig wiederzugeben und Anweisungen exakt auszuführen.
Aber genau dieser Punkt verändert sich jetzt.
Wir brauchen in hoher Geschwindigkeit Menschen, die Aufgaben überprüfen, Probleme erkennen und feststellen können, warum etwas nicht funktioniert. Und die dann Instruktionen oder Rahmenbedingungen für die KI anpassen, bis das gewünschte Ergebnis da ist.
Das Mitdenken wird somit zur höchsten Qualifikation und dem Flaschenhals oder, wie es Peter Steinberger einmal formuliert hatte: „Thinking is the new bottleneck“.
Aktuell findet diese Veränderung der Arbeitsweise vor allem im digitalen Bereich statt. Zukünftig könnten humanoide Roboter oder andere autonome Systeme aber dazukommen. Die Aufgabe des Menschen besteht dann darin, diese Systeme so zu instruieren, zu überwachen und nachzusteuern, dass sie zuverlässig arbeiten.
3. Wo Menschen weiterhin im Mittelpunkt stehen
Wird das alle Bereiche betreffen? Ja, aber auch Nein. Ich gehe davon aus, dass in allen Bereichen KI-Gehilfen zum Einsatz kommen werden. Aber in den Bereichen, in denen eine starke Mensch-zu-Mensch-Interaktion stattfindet, denke ich, bleiben Menschen weiterhin im Mittelpunkt.
Ein Beispiel ist die Pflege. Viele Menschen möchten vermutlich nicht ausschließlich von einem Roboter berührt, versorgt oder betreut werden.
Auch bei der Kindererziehung wird man die Verantwortung nicht komplett an Maschinen übertragen wollen. Ähnliches gilt für persönliche Dienstleistungen, etwa im Restaurant, wenn die menschliche Begegnung Teil des Erlebnisses ist.
In diesen Bereichen werden KI-Systeme oder humanoide Roboter assistieren, aber keine zentrale Rolle spielen. In allen anderen Bereichen dagegen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass KI und Robotik einen erheblichen Teil der Arbeit übernehmen werden. Dort braucht es genau die neue Sorte von Mitarbeitern, die Ergebnisse beurteilen, Fehler erkennen und Systeme nachjustieren können.
4. Was ich beim Thema Verantwortung für die größte Baustelle halte
Problemerkennung ist existenziell. Die Mitarbeiter der Zukunft müssen sehen können, wo ein Problem entstehen könnte oder bereits entstanden ist. Das Problem hinter dem sichtbaren Problem verstehen, die richtige Frage stellen und Zusammenhänge erkennen.
Ich denke, Fachwissen allein verliert dadurch an Bedeutung. Problemerkennung und Urteilsvermögen gewinnen.
Dazu kommt die Verantwortung. Ein Teamleiter trägt Verantwortung für sein Team. In der zukünftigen Arbeitswelt geht es darum, Verantwortung für ein Problem zu übernehmen und es lösen zu wollen, statt es zur Seite zu schieben oder weiterzureichen.
Und hier sehe ich gerade die größte Lücke zwischen den Mitarbeitern von heute und den Mitarbeitern der Zukunft.
Warum?
Viele Menschen haben nie gelernt, Probleme aktiv zu lösen. Sie wurden darauf vorbereitet, Aufgaben auszuführen, nicht darauf, Verantwortung für das Ergebnis zu tragen.
Damit verändert sich nicht nur ein Kompetenzprofil, sondern das Selbstbild eines Mitarbeiters. Arbeit bedeutet dann weniger, eine zugewiesene Aufgabe zu erledigen. Arbeit bedeutet, eine Wirkung zu verantworten.
Ist das Problem klar und liegt genug Kontext vor, hilft KI beim Entwickeln von Lösungswegen und beim Beschleunigen der Umsetzung. Der Mensch legt Ziel, Bedeutung und Qualitätsmaßstab fest. Die KI arbeitet innerhalb dieses Rahmens.
5. Meine Erfahrung mit Beteiligung: Gewinn ja, Verlust nein
Ich gehe deswegen davon aus, dass sich Mitarbeiter zukünftig stärker als echter Bestandteil des Unternehmens verstehen müssen. Sie sollten unmittelbar erkennen können, welche Wirkung ihre Arbeit hat, und möglicherweise auch am Erfolg beteiligt werden.
Nur gibt es dabei aktuell ein Problem, das wir in unserem Unternehmen bereits erlebt haben.
Manche Mitarbeiter möchten bei Gewinnen selbstverständlich beteiligt werden, betrachten Verluste aber allein als Verantwortung des Unternehmens.
Diese Haltung kann zukünftig nicht mehr funktionieren. Mitarbeiter in solchen kleinen Teams müssen sich eher wie Mitunternehmer oder Co-Inhaber verstehen. Nicht nur Belohnungen erwarten, wenn es gut läuft, sondern auch Verantwortung übernehmen, wenn Ziele verfehlt werden.
Damit wird Neugier zu einer der wertvollsten Fähigkeiten. Nicht als nette persönliche Eigenschaft, sondern als echter Wettbewerbsvorteil. Ohne Neugier merkt ein Mensch häufig nicht, dass er die falsche Frage stellt.
Mein Fazit daraus für die Personalauswahl: Intrinsische Motivation wird bei der Besetzung einer Stelle wichtiger als viele klassisch angelernte Fähigkeiten.
Jetzt würde mich interessieren: Wie siehst du das? Schreib es gerne in die Kommentare und lass uns gemeinsam austauschen.

