18.05.2026 – Yokohama: Edo, Kolonialviertel & Chinatown

08:30 Uhr: Ich starte zu meiner heutigen Tour. Heute werde ich es etwas ruhiger angehen lassen. Die nächsten zwei Tage möchte ich Yokohama noch mal relaxed genießen. Deswegen mein erstes Ziel: Tullys für einen Kaffee.

Es gibt hier im Umkreis mehrere Filialen, aber diese haben noch nicht alle geöffnet. Deswegen muss ich erst einmal schauen, in welche Filiale ich bereits hineinkann. Ah, eine gefunden. Dann fix bestellt und einen Platz mit meinem Rucksack belegt.

09:15 Uhr: Auf zu meinem ersten Ziel, dem Sankei-en, einer Gartenanlage, die Anfang 1900 hier errichtet wurde. In dieser war ich im Dezember 2022 schon einmal, möchte mir diese aber heute noch mal anschauen, wenn alles blüht.

Erst einmal muss ich aber einen passenden Bus finden, der dorthin fährt. Es ist nicht so, als ob es keine Linien gäbe, es gibt einfach zu viele. Welchen nehme ich und von wo fährt der ab? Super, habe einen gefunden, der gleich kommt.

Ich bin aktuell noch im Kansai-Modus. Dort ist man bei den Bussen hinten eingestiegen und hat beim Aussteigen vorn beim Fahrer bezahlt. Hier im Raum Tokyo ist es umgekehrt: Da steigt man vorn ein, bezahlt gleich und steigt dann hinten aus.

Jetzt noch aussteigen und dann noch ein paar Minuten bis zu dem Garten laufen. Was ich immer wieder schön finde, hier in den Vierteln, sind die kleinen Mikrogärten, die bei den Häusern vorhanden sind. Viele Japaner gestalten diese Gärten bewusst ästhetisch, oder lassen sie pflegen.

10:00 Uhr: Ich bin angekommen. Fix noch die 900 Yen Eintritt bezahlt. Ich glaube, das war vor vier Jahren günstiger. Da hat es nur 500 Yen gekostet. Jetzt rein. Whoa, ich sehe, gerade werden hier mehrere Busladungen an Reisegruppen ausgeladen. Dann werde ich die Wege in umgekehrter Richtung ablaufen. Nur nicht den Massen hinterher. Wie ein Koi-Karpfen, einfach gegen den Strom. 🎏

Das macht schon wieder Spaß, hier durch den Garten zu laufen. Er ist wirklich sehr schön angelegt, aber vor allem befinden sich in diesem viele historische Gebäude. Der Garten wurde von Hara Tomitarō (Künstlername: Sankei), einem wohlhabenden Seidenhändler aus Yokohama, ab 1902 auf dem Familiengelände angelegt.

Die Grundidee: Hara kaufte historische Gebäude in ganz Japan, u. a. aus Kyoto, Kamakura, Gifu und Wakayama, und ließ sie hier Stein für Stein wieder aufbauen. Dieses Prinzip kenne ich schon irgendwoher, nämlich von dem Samurai‑Filmstar Ōkōchi Denjirō aus Kyoto, in dessen Garten ich vor ein paar Tagen war.

Interessant, mein KI-Reiseführer hat mir gerade dazu noch Folgendes verraten. Um 1900–1930 gab es eine kleine, aber einflussreiche „Bewegung“ von Sammlern, Gelehrten und Unternehmern, die historische Gebäude kauften, versetzen ließen und in neuen Kontexten wieder aufbauten.

Interessant dabei ist, dass die Bauweise der japanischen Holzhäuser (Pfosten-Riegel, weitgehend „trocken“ gezapft, viel Holz statt massiver Mauern) das Zerlegen und Wiederaufbauen enorm erleichtert. Das Versetzen ganzer Gebäude oder Gebäudeteile war technisch gut machbar und hatte in Tempel- und Teekultur sogar Tradition.

Das ist mir auf dieser Tour wirklich öfter begegnet und ergibt jetzt auch vollkommen Sinn. Ich habe häufig gelesen, dass Gebäude woanders standen und dann zerlegt und an einem neuen Ort wieder aufgebaut wurden. Der Grund, dass diese Bauweise hier in Japan so entstand, sind unter anderem Naturkatastrophen wie Erdbeben. Durch die Bauweise ließen sich die Gebäude schneller reparieren.

11:30 Uhr: Ich mache jetzt weiter zu meinem nächsten Ziel für heute, dem Motomachi Park. Da ich es heute gemütlich angehen lassen möchte, werde ich dorthin laufen. Das ist rund eine Stunde bei den aktuellen Temperaturen. Dann mal los.

Ich beobachte gerade, wie ein kleiner Müllwagen hier in das Viertel hineinfährt und dabei eine Erkennungsmelodie spielt. Die Müllabfuhr nutzt die Melodie als akustische Warnung und als Signal an die Anwohner, dass der Wagen im engen Wohngebiet unterwegs ist und sie ggf. Müll nachreichen können. Das ist nun mal besser als Hupen, was als alles störend empfunden wird.

12:30 Uhr: Ich bin im Motomachi Park angekommen. Dieses Gebiet wurde im Übrigen für Ausländer angelegt nach der Eröffnung von Japan und nachdem Yokohama als Hafen bestimmt wurde. Es fungiert somit ähnlich wie das Gebiet in Kobe, das ich mir letztes Jahr angesehen habe.

Es ist ursprünglich ein reines Ausländerviertel gewesen, und auch hier gibt es noch ältere Gebäude, wenn auch nicht so zahlreich und museumsträchtig wie in Kobe. Diese hier in Yokohama kann man sich größtenteils kostenfrei ansehen.

Whoa, ich komme echt gut voran. Wenn das so weitergeht, muss ich mir für morgen noch etwas einfallen lassen. Aber zum Glück habe ich ja einen Plan B in der Tasche. 😂

Ich bin im Übrigen gerade im englischen Rosengarten angekommen. Hier findet auch aktuell die Rosenschau statt. Es blüht und duftet alles und die meisten Japaner machen fleißig Fotos. Im Übrigen wird das Anschauen von Blumen im Allgemeinen als „Hanami“ bezeichnet. Wir assoziieren es allerdings im Westen eher mit der Kirschblüte.

Hier in der Anlage gibt es im Übrigen auch eine Aussichtsplattform, das Harbor View Park Observatory. Das war mein eigentliches Ziel, und der englische Rosengarten hat sich faktisch nebenbei mit ergeben.

Die Aussichtsplattform ist ganz schick, auch wenn man natürlich nur einen Blick über die Hafenanlagen hat. Das ist natürlich nicht mit dem zu vergleichen, was ich von anderen Aussichtspunkten gewöhnt bin. Aber das ist nun mal Yokohama.

Ich war gerade im America Yama Park. Das ist eher ein kleiner Garten als ein Park. Sehr überschaubar, aber mit direkter Anbindung zu meinem jetzigen Ziel, der Yokohama Motomachi Shopping Street. Sie war die erste Shoppingstraße, in der westliche Waren angeboten wurden, nachdem die Japaner sich öffneten.

Whoa, das Ganze fühlt sich so gar nicht wie Japan an. Das entspricht eher unseren Shoppingstraßen, die wir auch aus Europa kennen. Okay, ich laufe die jetzt einmal ab und dann schwenke ich gleich weiter nach Chinatown, das hier zwei Querstraßen weiter liegt.

14:00 Uhr: Ich bin jetzt im Chinatown Yokohama angekommen und kann bereits sagen, dass das Feeling hier ein ganz anderes ist als zu den anderen Jahreszeiten, als ich hier war. Selbst heute am Tag ist viel los und es herrscht eine starke Dynamik.

Das Chinatown ist im Übrigen das größte in Japan. Und das kann ich nur bestätigen, wenn ich hier durch die Gassen laufe. Es ist nicht mit dem in Kobe oder Nagasaki zu vergleichen.

Es ist im Übrigen auch sehr interessant, wie dieses Chinatown hier entstanden ist. Denn was viele bei uns nicht wissen, ist, dass auch den Chinesen nach der Öffnung von den Japanern bestimmte Viertel zugewiesen wurden.

Dieses Viertel lag direkt neben dem Ausländerviertel, in dem ich gerade war. Und die Chinesen fungierten hier als Dolmetscher und Vermittler zwischen den Ausländern und den Japanern, da sie bereits Erfahrungen mit Westlern hatten.

Ich muss persönlich sagen, es macht gerade richtig Spaß, hier durchzulaufen. Es ist nicht zu leer und es ist nicht so voll. Überall gibt es leckere Dinge zu essen, wobei ich auch gerade das Gefühl habe, dass sich das Angebot hier gewandelt hat.

Als ich 2017 das erste Mal hier war, gab es noch viele kleine Dumplings zu kaufen. Diese sehe ich in der Zwischenzeit kaum noch, dafür eine Art größeres Schnitzel, was man auf die Hand bekommt. Ansonsten fällt mir aktuell auf, dass es hier sehr viel Mapo-Tofu gibt. Also, wer das mag, ist hier genau richtig.

Eigentlich wollte ich gerade auf den Marine Tower Yokohama gehen, aber die haben heute wegen irgendetwas geschlossen. Die öffnen erst morgen wieder. Dann eben weiter zum Yamashita Park. Whoa, hier gibt es auch einen Rosengarten. Und der sieht mindestens genauso schick aus wie der andere. Aber hier sind noch mehr Japaner, die fleißig fotografieren.

So langsam bekomme ich mit, dass die ganze Lauferei ordentlich geschlaucht hat. Ich werde jetzt erst einmal gemütlich zum Hotel zurückmachen, mich dort noch etwas ausruhen, und dann abends zu einer weiteren Tour starten. Ich will noch ein paar Abendaufnahmen machen. Das Viertel hier am Hafen und Chinatown reizt mich.

18:00 Uhr: Ich bin noch mal gestartet. Mal schauen, wo es mich hintreibt. Zuerst einmal schaue ich mir den Freizeitpark an, der genau vor meinem Hotel liegt. Das Markanteste an diesem ist natürlich das Riesenrad, das man von überall her sieht. Es ist im Übrigen nicht mehr das Größte in Japan. Das befindet sich in Osaka. Und damit sind wir 2023 schon gefahren.

Aber ich will mal schauen, was der Freizeitpark sonst noch zu bieten hat. Von meiner Unterkunft aus habe ich z. B. eine Achterbahn gesehen, die hier mitten in das Center hineinrauscht. Whoa, und ich sehe gerade, hier gibt es auch mehrere 3D-Entertainment-Fahrten. Eins davon ist ein Horrorhaus, bei dem man das Horrorniveau von 1 bis 3 einstellen kann. Die Fahrten finden in einem vergitterten Käfig statt. Gruselig. 😱

Weiter geht’s zum nächsten Punkt, den Yokohama Red Brick Warehouse. Das sind früher die ersten Warenhäuser gewesen, in denen man die ankommenden Waren aus den anderen Ländern umgeschlagen hat. Heute befinden sich in diesen beiden Gebäuden Shoppingpassagen und Gastronomie. Dann werfe ich mal einen kurzen Blick hinein.

Whoa, ich habe den Eindruck, hier hat sich auch einiges getan. 2017 sah das noch sporadischer aus. Vielleicht wurde dies damals aber erst eingerichtet. Gefällt mir sehr gut. Und ein ganz klarer Tipp, wenn man mal eine etwas andere Shoppingpassage sehen möchte.

18:45 Uhr: Allmählich verschwindet die Sonne auch hinter dem Horizont. Deswegen ist mein nächstes Ziel das Osanbashi Pier. Das ist der Einreiseterminal für ankommende Schiffe hier in Yokohama. Aber auf dem Dach gibt es einen Rooftop-Park.

Whoa, ich bin begeistert. Das sieht wirklich klasse aus. Ich würde sogar behaupten, von hier aus hat man den besten Blick auf die komplette Hafenskyline. Und scheinbar sehe ich das nicht als einziger so, denn hier stapeln sich gerade junge Brautpaare, um sich vor der Skyline von Yokohama fotografieren zu lassen.

Ich verstehe wirklich gerade gar nicht, warum ich bei meinen letzten Besuchen in Yokohama noch nie hier oben war. Das war echt ein großer Fehler. Ich bin jetzt schon seit 45 Minuten hier oben und habe mich immer noch nicht sattgesehen.

Im Übrigen wird der Park hier auch von einigen als Joggingstrecke genutzt. Und das, obwohl immer wieder Durchsagen kommen, dass man hier nicht rennen sollte. Ich werde den Abend jetzt hier ausklingen lassen und anschließend gemütlich zurück ins Hotel gehen. Einfach nur schön hier. Aber das Wetter ist auch geil.


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