17.05.2026 – Hakone: Schwefel, Fuji und das Triforce

06:15 Uhr: Ich mache mich jetzt auf zu meiner heutigen Tour nach Hakone. Da ich eine längere Strecke mit Bummelzügen durch die Berge fahre, dauert die Anreise auch etwas länger. Aber erst einmal muss ich zur Yokohama Station.

Whoa, was ist hier los? Alles ist noch geschlossen. Ich komme gar nicht zu meiner U-Bahn-Station. Dann laufe ich eben zur Yokohama Station. Ich habe ohnehin noch Zeit, bevor mein Zug losfährt. Das schaffe ich auf jeden Fall. Und ich kann gleich die Stille der Stadt noch genießen.

07:00 Uhr: Ich bin jetzt an der Yokohama Station angekommen. Auch hier ist bisher nicht viel los. Es war vielleicht doch eine sehr gute Idee, so zeitig zu starten.

Jetzt noch schnell das Ticket für die Greencar geholt. Verdammt, der Automat ist außer Betrieb. Ah, da vorn gibt es noch einen. Puh, der funktioniert. Pasmokarte mit Ticket aufgeladen. Weiter geht es jetzt nach Odawara, dem nächsten Umstiegsbahnhof.

08:00 Uhr: Angekommen und sitze bereits im nächsten Zug. Ich musste mich ganz schön beeilen, den zu bekommen. Zumal ich hier auch zwischen den Betreibern umsteigen musste. Aber aufgrund meiner Skills, mich schnell zu orientieren, habe ich es geschafft.

Im Übrigen habe ich auf dem Weg nach Odawara auch noch mehrere Blicke auf den Mount Fuji gehabt. Der Ausblick war sogar besser als vom Shinkansen. Alles ganz klare Empfehlung, wenn man entspannt aus dem Zug Fotos vom Fuji schießen möchte. Jetzt bin ich auf dem Weg zur nächsten Umsteigestation, Hakone-Yumoto.

Angekommen, und jetzt geht es weiter zum Zielbahnhof Gora. So langsam verstehe ich auch das Prinzip dieser Strecke hier. Die gesamte Strecke besteht aus vier Abschnitten. Eine davon ist einspurig. Der Zug fährt hier im Zickzack den Berg hinauf. Dafür stoppt er in einer Sackgasse, stellt die Weiche um, und fährt dann in entgegengesetzter Richtung weiter.

Mir wurde im Übrigen auch alternativ ein Bus von Odawara nach Gora angeboten. Aber dann hätte ich auf die tolle Fahrt mit dem Zug durch die Berge verzichten müssen. Das wollte ich natürlich nicht. Und ich bin jetzt auch wirklich happy darüber, mich so entschieden zu haben. Zumal die Fahrt kurzweilig ist, da der Zugführer hier ständig am Zug entlangrennt, um alles zu kontrollieren.

09:00 Uhr: Ich bin in Gora angekommen. Oh, ich werde hier gerade vom Bernina Express gegrüßt. Es scheint hier eine Kooperation mit den Schweizern zu geben und die Bergbahn wurde nach Schweizer Vorbild errichtet. Jetzt habe ich aber richtig Lust, mit den Bahnen auch mal in der Schweiz zu fahren.

Ich wollte gerade mit meiner Pasmokarte bei der Bergbahn einchecken. Aber das geht nicht. Ich benötige ein extra Ticket. Hmm, mal schauen, was ich hole. Ich glaube, ich entscheide mich für das 2-Tagesticket. Ein 1-Tagesticket gibt es leider nicht. Oh, das lassen sie sich gut bezahlen. 6.000 Yen wollen sie dafür haben. Und es geht nur Cash oder per IC-Card (also digitales Cash).

09:30 Uhr: Weiter ging es soeben mit der Bergbahn auf eine weitere Zwischenstation. Jetzt heißt es noch mal umsteigen zu einer Seilbahn. Oh, hier gibt es bereits Hinweisschilder auf die Schwefelfelder. Also, wenn man damit ein Problem hat, sollte man spätestens hier an dieser Stelle umkehren. Dann mal rein in die Seilbahn und hinauf zur nächsten Etappe.

Wow, das sieht hier aus wie Mordor. Tolkien hätte wahrscheinlich seine Freude gehabt, wenn er sich die gasigen Ebenen von Mordor hätte vorstellen müssen. Und da auf der anderen Seite ist er wieder, der Mount Fuji. Der Kontrast könnte nicht krasser sein. Ich bin am Ziel, Ōwakudani, angekommen. 😁

Ganz schön viel los hier oben. Im Übrigen habe ich gerade gelesen, dass dieses offene Schwefel-Areal erst vor 3.000 Jahren entstanden ist. Damals gab es einen Vulkanausbruch, der den Teil dieses Hanges weggerissen hat. Seitdem treten hier schwefelhaltige Dämpfe aus.

Das Tal wurde auch mal als  „Höllental“ (Jigokudani) bezeichnet. Wenn man sich dies so ansieht, eine wirklich gute Bezeichnung dafür. Den Geruch des Schwefels rieche ich im Übrigen nur an einigen Stellen. Aber wer viel pupsen muss, ist hier genau richtig. Das fällt niemandem mehr auf. 🤣

Im Übrigen versucht man hier, sehr viele Produkte, die etwas mit dem Schwefel zu tun haben, zu verkaufen. Das Populärste sind wahrscheinlich die schwarzen Eier. Große Statuen von diesen hat man hier auch. Vor denen kann man sich fotografieren lassen.

Ein Ei kostet im Übrigen 500 Yen. Ein ordentlicher Preis dafür, dass man ein Ei mit einer schwarzen Schale bekommt, welches durch die Reaktion mit dem Schwefel schwarz geworden ist. Der Inhalt ist und bleibt ein Ei. Ein stolzer Preis, auch für japanische Verhältnisse, für ein Ei.

Ich bin gerade mit der nächsten Seilbahn unterwegs und wirklich wieder mal erstaunt darüber, worauf Japaner alles hinweisen. Wenn ich das mit den Seilbahnen in Österreich vergleiche, ist das hier Safety first.

Zum einen halten die Seilbahnen wirklich an beim Ein- und Aussteigen, selbst auf den Zwischenstationen. Bei uns fahren Sie im langsamen Tempo weiter. Da wird nicht angehalten. Das erhöht natürlich den Durchsatz. Und zum anderen gibt es ein Notfallkit, falls jemandem mal schlecht werden sollte.

11:00 Uhr: Ich bin gerade am Ashi-See angekommen. Hier ist gerade richtig viel los. Unglaublich, wie die Leute hier anstehen, um mit der Seilbahn fahren zu können. Ich plane jetzt, mit dem Schiff über den See zu fahren. Ich glaube, dazu muss ich hier lang.

OMG, hier stehen sie auch an. Ich habe gerade das Gefühl, anstatt eines schönen Ausflugs in die Natur mache ich gerade eine volle Touristentour hier mit. Wie heißt es so schön: Das war so nicht geplant, es hat sich so ergeben. Auf jeden Fall ist mir das zu viel und ich fahre jetzt weiter mit dem Bus.

11:30 Uhr: Ich bin beim nächsten Ziel für heute angekommen, dem Hakone-Schrein. Hier gibt es ein bekanntes Torii, welches im Wasser steht. Da laufe ich jetzt hin. Der Pfad, der hier am Ufer entlangführt, ist sehr gemütlich. Er verläuft mitten im Grünen.

Oh nein, was ist hier los? Ich verstehe die Welt nicht mehr. Hier stehen Massen von Leuten an, um sich vor dem Torii fotografieren zu lassen. Gefühlte Wartezeit für ein Foto: 30 bis 60 Minuten. Echt crazy.

Ich laufe jetzt an der Uferpromenade weiter entlang. Ich versuche mal, das Torii von der anderen Seite zu fotografieren. Mit meinem Zoom sollte das auf jeden Fall machbar sein.

OMG, das ist schon Wahnsinn, was hier los ist. Die Parkplätze sind alle gut gefüllt. Der Großteil scheint auch wirklich mit dem Auto unterwegs zu sein. Ich denke, mit diesen wird das zeitlich auch alles besser machbar sein, zumal man dann auch von Fahrzeiten der Busse etwas unabhängig ist. Die fahren nämlich gefühlt nur alle 30 Minuten.

Whoa, ich verstehe jetzt langsam, was dieser Ort für eine Faszination auf Besucher ausübt. Ich bin gerade extrem fasziniert von diesem Anblick. Am Horizont erhebt sich der Mount Fuji. Daneben das Torii. Und wenn man Glück hat, fährt sogar ein Piratenschiff vorbei.

Man kann sich einfach nicht sattsehen an diesem Anblick. Aber auch eine ganz klare Empfehlung: Wenn das Wetter nicht passt, würde ich auch nicht hierherfahren. Das ist rausgeschmissenes Geld. Ohne den Blick auf den Mount Fuji kann man die Faszination dieses Ortes nicht verstehen.

Ich laufe jetzt weiter zu meinem nächsten Ziel für heute, dem Hakone Sekisho. Das ist eine Kontrollstation aus der Edo-Zeit an der Tōkaidō-Straße. Diese wurde nahezu historisch korrekt wieder aufgebaut. Man hat dazu nur Handwerker beauftragt, die mit Originaltechniken diese Station wieder errichteten.

Das Ganze ist natürlich heute ein Museum und das einzige seiner Art in Japan. Also nur hier an dieser Stelle kann man sich ein Bild davon machen, wie eine der 53 Kontrollstationen, die das Tokugawa-Shogunat im Land verteilt hatte, aussah. Ich befinde mich somit direkt auf der ehemaligen Tōkaidō-Straße.

Sehr interessant, gerade wenn man weiß, dass dies wirklich mal so aussah. Hakone Sekisho war zudem dafür bekannt, besonders streng auf ausreisende Frauen zu achten, während die Waffenkontrolle hier etwas weniger im Fokus stand als an anderen Sekisho’s (Kontrollstationen).

Kurz zur Erklärung: Einer der Gründe, warum Edo so wuchs und das Tokugawa-Shogunat so lange für eine friedvolle Zeit in Japan sorgte, war das System der Sankin‑kōtai, bei dem die Fürsten gezwungen waren, einen Teil der Familie in Edo zu lassen. Sie waren de facto Geiseln, um deren Loyalität zu sichern, ähnlich wie dies auch in Europa zur römischen Zeit gehandhabt wurde.

13:00 Uhr: Ich wollte eigentlich noch mit dem Schiff über den See fahren. Aber da waren gerade so viele Inder, die lauthals miteinander und ohne Rücksicht auf Verluste interagiert haben. Die wollten auch auf das Schiff. Und da habe ich dies für mich abgeblasen. Darauf habe ich keine Lust.

Das ist im Übrigen aktuell wirklich ein Problem, was die Japaner auch schon mitbekommen. Die Inder haben eine ganz andere Kultur und bringen ein anderes Mindset in andere Länder mit, welches durch ihr Kastensystem geprägt ist. Da müssen sie noch viel lernen, um sich an internationale Standards anzupassen. Ich fahre deswegen jetzt mit dem Bus zurück nach Hakone Yumoto.

14:00 Uhr: Ich bin in Hakone Yumoto angekommen. Und auch hier platzt die kleine Gemeinde aus allen Nähten. Autos und Busse quälen sich in einem Koloss die Straße entlang. Ich sehe jede Menge Menschen mit großen Koffern, die hier zu Unterkünften wollen.

Am Bahnhof sieht es auch nicht besser aus. Ich habe den Eindruck, der kleine Ort ist für diese Massen nicht gemacht. Und hier kommt gerade der Romancier an. Das ist eine Direktverbindung von Shinjuku nach Hakone Yumoto, also für alle, die aus Tokio einen Tagesausflug hierher planen.

14:45 Uhr: Ich bin wieder zurück in Odawara. Da ich noch nicht nach Yokohama zurückfahren möchte, werde ich mir jetzt hier noch die Burg ansehen. Das Schöne: Sie liegt nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt. Dann mal los.

Es scheint, ich muss einmal außenrum, um in die Burg zu gelangen. Das zieht sich doch ganz schön in die Länge. Aber dafür habe ich auch wieder einen Reiher erwischt. Und ich sehe gerade, hier oben in den Baumwipfeln haben die Reiher ihre Nester gebaut. Ganz schön weit oben.

Die Burg gehörte im Übrigen dem Hōjō-Clan. Und hier fand eine Entscheidungsschlacht statt, die aber mehr eine Belagerung als eine wirkliche Schlacht war. Der Clan war der letzte Gegner von Toyotomi Hideyoshi, dem Fürsten, der Japan einigte.

Nachdem Hōjō Ujimasa besiegt war, gingen seine Ländereien an Tokugawa Ieyasu über, der später der erste Shōgun des Tokugawa-Shogunats war. Was ebenfalls ein interessanter historischer Fakt der Schlacht ist: Hideyoshi ließ hier faktisch über Nacht eine komplette Burg auf einen Hügel errichten, um seine Macht zu demonstrieren.

Ich war gerade etwas verwundert, da auf einem Hügel auf der anderen Seite der Gleisanlagen ebenfalls ein Hinweis auf das Odowara Castle zeigt. Ich bin dann in den Austausch mit meinem KI-Reiseführer gegangen und der konnte Licht ins Dunkel bringen.

Der Grund ist, dass ich mich aktuell nur in einem kleinen Bereich der ehemaligen Burganlage befinde. Diese zog sich früher über mehrere Hügelketten. Alleine die Außenmauern hatten eine Gesamtlänge von 9 km. Ich sehe gerade hier in der zweiten Etage eine Karte, auf der das gezeigt wird. Jetzt verstehe ich auch dies besser.

Und noch etwas ist mir gerade klarer geworden. Ich habe nämlich gerade das Familienwappen des Hōjō-Clans gesehen. Das ist ein Triforce, also das bekannteste Symbol aus der Spieleserie Zelda. Mein KI-Reiseführer hat mir gerade verraten, dass dieses Wappen bewusst von Nintendo gewählt wurde.

Zudem verstehe ich jetzt auch, warum ich dieses in Kamakura bei den Tempeln gesehen habe. Der Hōjō-Clan war faktisch während des Kamakura-Shogunats die Schattenregierung, ohne jemals selbst einen Shōgun gestellt zu haben. Sehr spannend.

16:30 Uhr: Allmählich bekomme ich Hunger. Was war heute noch mal dran? Gestern gab es Curry, also gibt es heute Gyōdon. Und da vorn ist auch schon ein Laden, die Kette kenne ich bereits gut. Dann mal hinein und etwas bestellen. So langsam bekomme ich eine Routine rein. 😂

Ich habe im Übrigen gerade hier einen 7-Eleven gefunden, der anstatt des farbigen Logos ein braunes Logo verwendet. Das ist mir immer mal wieder aufgefallen. Und ich habe gleich mal meinen KI-Reiseführer gefragt, was der Grund dafür ist. Und dieser ist typisch japanisch: Filialen, die sich in historischen Vierteln befinden, erhalten diese Farben, damit sie das historische Viertel in seinem Flair nicht durch die üblichen Farben stören.

17:00 Uhr: Ich habe mich jetzt dazu entschieden, mit dem Shinkansen nach Yokohama zurückzufahren. Ich will einfach mal austesten, wie das ist, wenn man die Tickets am Automaten holt. Und heute habe ich dafür genügend Zeit.

Okay, umschalten auf Englisch. Ich will ein Ticket mit einem reservierten Platz haben. Startbahnhof ist bereits ausgewählt. Zielbahnhof ist gleich der nächste. Platz kann man auch einfach auswählen. Natürlich ein Fensterplatz. Und jetzt noch bezahlen. Das ging wirklich sehr einfach. Und die Fahrzeit sind nur 15 Minuten statt 45. Sehr beeindruckend.

Die Züge fahren hier im Übrigen nur alle 30 Minuten. Das ist nun mal ein kleiner Provinzbahnhof. Auf den mittleren Gleisen rauschen dagegen die Shinkansen durch, die nur an den größeren Bahnhöfen halten. Ich habe bewusst einen Zug später genommen, um einfach zu fühlen, wie das ist, wenn die Züge hier durchfahren. Bei dem schönen Wetter heute macht das nur Spaß.

Ich feiere das gerade, dass ich hier sitze. Es ist so amüsant zu beobachten, wie der Stationsvorsteher versucht, die Touristen von der Bahnsteigkante fernzuhalten. Einige versuchen, Fotos von den vorbeifahrenden Shinkansen zu machen, und ignorieren dabei rigoros die englischsprachigen Durchsagen, dass man hinter der gelben Linie bleiben soll: „Please stand behind the yellow line“.

18:30 Uhr: Ich bin in Shin-Yokohama angekommen. Jetzt werde ich mit der U-Bahn zurück zur Yokohama Station fahren und von dort aus ins Hotel laufen. Ich will noch ein paar Abendimpressionen aufnehmen, da es gerade dunkel geworden ist.

War ein langer Tag heute. Aber es hat sich gelohnt. Was ich aber beim nächsten Mal nicht mehr kaufen würde, wäre das 2-Tagesticket. Die Runde, so wie ich sie heute gemacht habe, reicht vollkommen aus. Und in den Bussen hätte ich auch mit meiner Pasmo bezahlen können.


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