08:30 Uhr: Ich starte zu meiner heutigen letzten Tour durch Kyoto für dieses Jahr. Heute geht’s für mich in den Westen von Kyoto. Dort gibt es ein paar Tempel, die ich mir noch ansehen möchte.
2023 war ich bereits einmal in der Gegend. Und gerade der nördliche Teil von hier hat mir sehr gut gefallen. Die anderen Bereiche sind auch sehr schön, aber leider von Touristen komplett überlaufen. Los geht’s.

Ich bin am Zielbahnhof bereits angekommen. Jetzt könnte ich mit dem Bus fahren. Aber der fährt hier nur sporadisch. Und die Fahrzeit inklusive der Wartezeit würde genauso lange dauern, wie wenn ich hinlaufen würde. Dann lieber laufen.
Oh, ich sehe gerade, hier auf dem Weg liegt noch ein weiterer Tempel. Ich bilde mir ein, an dem sind wir 2023 vorbeigekommen. Damals war er schon geschlossen. Dann nehme ich den doch gleich mal mit.

Ich schaue gleich mal fix nach, was das für ein Tempel ist. Alles klar, ich bin im Seiryōji (Saga Shakadō) Tempel. Das Gelände war früher die Villa von Minamoto no Tōru, einem Heian‑Hofadeligen und Dichter. Diese Anlage „Saga no Mido“ gilt zudem als Vorbild für Teile der Genji‑Welt, v.a. für Hikaru Genjis Villa in Saga.
Oh, das ist wirklich interessant. Vor zwei Jahren war ich in Nagoya im Tokugawa-Kunstmuseum. Da gab es eine Sonderausstellung zu den Genji‑Rollen („Scenes From The Tale of Genji“). Dieser Tempel ist also einer der Orte, die mit dieser Saga in Verbindung gebracht werden. Spannend.

Weiter geht’s zum nächsten Tempel, dem Otagi Nenbutsuji-Tempel. Wie bereits erwähnt, macht es richtig Spaß, hier durch die Gegend zu laufen. Es führt eine gut ausgebaute Straße an den verschiedenen Tempelanlagen vorbei.
Und mein nächster Tempel ist jetzt der äußerste, den ich mir heute ansehen möchte. Anschließend werde ich die Straße wieder zurücklaufen und mir noch weitere Tempel auf der Strecke ansehen.

Ich bin bereits am Otagi Nenbutsuji-Tempel angekommen. Und irgendwie ist hier gerade sehr viel los. Dann mal die 1.000 Yen Eintritt bezahlt. Was, das geht hier auch mit Karte? Das sieht man selten. Ich bezahle bar und dann rein.
Ah, jetzt weiß ich auch wieder, warum ich den auf meine Liste gepackt habe. Hier gibt es über 1.200 Rakan‑Figuren. Diese stellen die Jünger Buddhas dar (Rakan). Jede Figur wurde in den 1980ern unter Anleitung des Mönchs und Bildhauers Nishimura Kōchō von Laien, Pilgern und Gläubigen gehauen. Also ist das alles noch ziemlich neu hier.

Im Übrigen ist jede Figur komplett einzigartig: Einige lachen, andere halten Bierkrüge, Kameras, oder Musikinstrumente, manche sitzen zu zweit, manche sehen aus, als würden sie Selfies machen. Ich schaue jetzt mal, was mein persönlicher Favorit ist. Ganz klar der hier mit der Katze. Oder doch lieber der mit der Denkerpose?
Zudem noch etwas Interessantes: 766 wurde der Tempel bereits gegründet. Danach durch mehrere Naturereignisse zu stören. 1950 gab es einen schweren Taifun. Danach war der Tempel fast eine Ruine. Nishimura Kōchō begann ab 1955, diesen systematisch wieder aufzubauen. Und ich erinnere mich gerade daran, dass es in Kawagoe bei Tokio einen Tempel mit 500 Rakan gibt. Da war ich 2022.

Weiter geht es zum nächsten Tempel. Der liegt da nur 15 Minuten von hier entfernt. Ich habe gerade das Gefühl, egal wie häufig man hier diese Straße hoch und runterläuft, man entdeckt immer etwas Neues.
Aber ich bin bereits an meinem nächsten Tempel angekommen, dem Giōji-Tempel. Das scheint wirklich ein versteckter Spot zu sein. Der liegt hier komplett im Grünen. Dann mal die 500 Yen Eintritt bezahlt. Und rein.

Der Tempel ist komplett mit Moos überzogen und besitzt gar keine größeren Gebäude. Das Ganze wirkt hier wie ein Moosgarten. Also sehr schön, aber vor allem ruhig und idyllisch. Die Geschichte zu dem Namen des Tempels ist auch interessant.
Giō war eine Shirabyōshi‑Tänzerin am Hof, Geliebte des mächtigen Taira no Kiyomori. Als er sich einer jüngeren Tänzerin, Hotoke Gozen, zuwandte, wurde Giō fallen gelassen. Aus Liebeskummer zog sie sich mit Mutter und Schwester hierher zurück und wurde Nonne; später kam sogar Hotoke Gozen selbst dazu, reuevoll, und lebte mit ihnen als Nonne. Diese Geschichte ist in der „Heike Monogatari“ verewigt.

11:30 Uhr: Ich glaube, ich benötige jetzt erst einmal eine kleine Pause. Die Temperaturen sind doch ziemlich warm und ich muss mal in Ruhe den Akku von meinem Handy und natürlich auch meinen Akku aufladen. Auf dem Hinweg habe ich einen kleinen Onigiri-Laden entdeckt. Den werde ich austesten.
Wow, die Onigiris sind wirklich lecker. Die haben eine sehr gute Qualität und sind nicht mit denen aus den Convenience-Stores zu vergleichen. Alleine der Reis schmeckt schon um ein Vielfaches besser. Also definitiv ein ganz klarer Tipp, wenn man sich an den Convenience-Store-Angeboten sattgefuttert hat.

12:30 Uhr: Die Pause tat richtig gut. Jetzt bin ich aber bereits bei meinem nächsten Tempel angekommen, dem Jōjakkōji-Tempel. Das ist ein Bergtempel, der also hier komplett im Hang liegt. Dann mal die 600 Yen Eintritt bezahlt und rein.
Ich spiele ja im Übrigen nebenbei ein Handyspiel, „Pikmin Bloom“, bei dem man Schritte machen muss. Das Ganze ist natürlich sehr stark mit Japan gekoppelt und es gibt einige lokale Events. So findet gerade auch eins hier in Kyoto statt, über welches versucht wird, Touristen auch zu anderen Spots umzuleiten außer den Hauptspots.

Dieser Tempel sollte eigentlich zu dieser Auswahl dazugehören, aber es kann auch sein, dass ich mich irre und es einen anderen Tempel gibt, der ähnlich heißt. Das ist leider nicht sehr gut dokumentiert. Aber egal, macht trotzdem Spaß, hier durch die Gegend zu laufen. Und ich finde die Idee natürlich super, das Problem von Übertourismus über Gamification zu lösen.
Der Tempel ist im Übrigen wirklich sehr schön, aber vor allem touristisch kaum genutzt. Hier gibt es zwar ein paar Touristen, aber es herrscht trotzdem eine sehr schöne Ruhe hier im Berg. Kann aber vielleicht auch daran liegen, dass man hier einen Berg hinauf muss, um die Aussicht über Kyoto zu genießen.

Weiter geht es zu meinem nächsten Ziel für heute, dem Okochi Sanso Garden. Der liegt hier direkt neben dem Bamboo Forest, also der bekanntesten Bambuswaldallee von Japan. Aber nur die wenigsten gehen auch in diese Anlage hinein. Dann mal fix die 1.000 Yen Eintritt bezahlt und rein geht’s.
Ich muss erst einmal schauen, was das hier genau ist, und bin gerade sehr überrascht darüber. Das hier ist die ehemalige Bergvilla des Samurai‑Filmstars Ōkōchi Denjirō, der ein berühmter Jidaigeki‑Schauspieler (Historienfilme aus der Edo Zeit oder davor) der Shōwa‑Zeit (Anfang 20. Jahrhundert) war.

Und ich bin wirklich beeindruckt, was er hier für eine Anlage über 30 Jahre geschaffen hat. Das Ganze fühlt sich an, als ob es schon ewig hier existieren würde und früher einmal eine Tempelanlage gewesen wäre.
Ich lese gerade, dass er bewusst ältere Gebäude für sein Privatwesen in Japan abbauen und hier wieder aufbauen ließ. Diese Gebäude müssen so bedeutend gewesen sein, dass sie sogar 2003 zum nationalen Kulturerbe erklärt wurden. Wirklich sehr schön hier.

14:00 Uhr: Ich mache jetzt weiter zu meinem nächsten Ziel für heute. Dazu muss ich aber erst einmal hier durch den Bamboo Forest. Hier ist wieder richtig viel los. Aber das war auch 2023 schon so. Ich komme jetzt in die überfüllte Touristengegend.
Weiter geht’s hier auf der Hauptstraße entlang Richtung Bahnstation. Das ist eine kleine Bummelbahn, die hier eine kurze Strecke fährt. Oh, ich sehe, hier checkt man gar nicht ein, sondern bezahlt, wenn man die Bahn verlässt.

14:45 Uhr: Ich bin bei meinem nächsten Ziel für heute angekommen, dem Uzumasa Kyoto Village. Das ist ein Filmstudio, welches in diesem Jahr sein 100. Jubiläum feiert und gleichzeitig als Entertainment-Park für die Öffentlichkeit geöffnet ist.
Mir war nicht bewusst, dass Kyoto Anfang des 20. Jahrhunderts so viele Filmstudios hier hatte. Das, in dem ich mich aktuell befinde, ist nur eins von einigen, die es hier gibt. Das Set ist aufgebaut, um Jidaigeki (Historienfilme) zu drehen. Über 2.000 Filme dieser Art sollen hier produziert worden sein.

Ich laufe jetzt einfach mal ein bisschen hier herum und schaue mir an, was es so zu sehen gibt. Ich versuche dabei, die Entertainment-Elemente auszublenden und mir vorzustellen, wie man hier die Historienfilme dreht. Denn auch heute noch wird der Park für Dreharbeiten genutzt. Wer also Samuraifilme mag, ist hier genau richtig.
Oh, ich sehe gerade, dass der Schauspieler Ōkōchi Denjirō, in dessen Villa ich gerade war, ebenfalls hier sehr viele Filme gedreht hat und einer der Top-7-Darsteller des Filmstudios ist. Na, das ist doch mal ein schöner Bezug.

Im Übrigen wurde dieses Gebiet hier mal als das Hollywood von Japan bezeichnet. Die besten Zeiten des japanischen Films und der Filmstudios waren in den 1960ern. Danach passierte das, was auch weltweit geschah, nämlich dass durch das Fernsehen die Ticketverkaufszahlen in den Kinos zurückgingen.
Jetzt werde ich mir noch eine Ninja-Show ansehen, die im Ticket inkludiert ist. Für den Rest hätte ich bezahlen müssen und da hatte ich keine Lust darauf…. Na, das war doch mal eine lustige Show. Sehr witzig gemacht. Und einiges habe ich auch verstanden. Das sollte man auf jeden Fall mitnehmen, wenn man schon mal hier ist.

Ich bin durch mit dem Park und begebe mich jetzt zu meinem nächsten Ziel. Vorher will ich hier noch eine Straße mitnehmen, die Daiei-dori Shopping Street. Die soll wie eine Filmrolle gestaltet sein.
Okay, die hat auch schon mal bessere Zeiten mitgemacht. Die Geschäfte sehen schon ziemlich alt aus, aber überall sieht man alte Filmplakate. Die Straße scheint immer noch in der alten, glorreichen Zeit leben zu wollen.

17:15 Uhr: Ich mache jetzt weiter zu meinem nächsten und letzten Ziel für heute. Ich will mir noch eine Illumination in einem Tempel ansehen. Mal schauen, wie die wird. Aber bevor es dunkel wird, habe ich noch etwas Zeit. Vielleicht finde ich auf dem Weg noch was Leckeres zu essen.
Whoa, jetzt war ich gerade richtig verwirrt. Ich muss hier noch mal in die kleine Bummelbahn einsteigen, mit der ich auch hierhergekommen bin. Aber dies ist hier ein Umstiegsbahnhof. Um auf die andere Seite zu kommen, muss ich hier über die Gleisanlage drüber. Ich habe zuerst den Untergrundweg gesucht, um dorthin zu gelangen. Habe es aber geschafft. 😁

Jetzt habe ich es verstanden. Ich bin jetzt mit der kleinen Bahn gefahren, die ich vor drei Tagen bei meiner Tour gesehen habe. Ich habe mich nämlich gerade gewundert, dass mir die Umgebung so bekannt vorkam. Jetzt laufe ich gemütlich weiter zu meinem nächsten Ziel.
Ich muss jetzt erst einmal was Kleines einwerfen. Das war heute doch etwas wenig, was ich bisher gegessen habe. Aber jetzt bin ich zunächst ein wenig gestärkt. Die Lampen sind bei dem Tempel im Übrigen auch schon an. Jetzt werde ich mal gemütlich hineingehen und mir ein Ticket organisieren.

19:30 Uhr: Ich war gerade noch mal im Kitano Tenman-gū-Tempel. Hier habe ich mir den illuminierten Bereich angesehen. Da die Sonne aktuell erst um 19 Uhr untergeht und um 19:30 Uhr komplett verschwunden ist, habe ich zuvor die Zeit noch genutzt, um mir die Kunstinstallation anzuschauen.
Was mich aber wirklich begeistert hat, war, im Park gab es ein kleines Podest, von dem aus man über die Pflaumenbäume schauen konnte. Da hier alles so dicht bewachsen ist, habe ich mich fast wie im Urwald in Singapur gefühlt. Das sah wirklich sehr schön aus.

Die Illumination hatte ebenfalls etwas. Man hat hier vor allem die Gehwege beleuchtet und so den Flair der Bäume genutzt, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Auch die Kunstinstallation wurde angeleuchtet. Und im hinteren Teil des Parks gab es eine weitere Installation.
Allerdings hätte ich fast den hinteren Teil verpasst. Dies ist mir erst später aufgefallen, dass dieser noch dazu gehört. Ich dachte ursprünglich, es wäre nur der Bereich mit den Pflaumenbäumen. Neben dem bezahlten Bereich ist im Übrigen auch der Tempelbereich schön ausgeleuchtet. Also, wenn man den Eintritt nicht bezahlen möchte, lohnt sich auch nur der Besuch der Anlage am Abend.

20:15 Uhr: Ich bin für heute durch. Das war wirklich wieder ein langer Tag. Morgen geht es nach Yokohama. Abschließend noch ein Fazit zu dem Test, dass ich hier in Kyoto über eine Woche geblieben bin. Dies hat sich vollkommen gelohnt.
Ich ging ursprünglich immer davon aus, dass Tagestrips von Osaka vollkommen ausreichen würden. Aber wenn man Kyoto wirklich erkunden möchte, dann lohnt es sich hier auch, für eine Woche zu bleiben. Wobei ich jetzt schon sagen kann: Wenn man in die Tiefe gehen möchte, wird eine Woche nicht reichen.

