10.05.2026 – Kyoto: Tengu, Japanische Gärten & Parkanlagen

08:00 Uhr: Los geht’s zu meiner heutigen Tour. Die nächsten drei Tage habe ich mal keine Termine und Verpflichtungen. Also genügend Zeit, um die Gegend in meinem Tempo zu erkunden.

Aber zuerst muss ich zum nördlichen Rand von Kyoto fahren. Etwas über eine Stunde Fahrzeit, sagt mir Google Maps. Dann mal ab in die U-Bahn und die Zeit gleich nutzen, um etwas zu lernen.

Ich bin am Umstiegsbahnhof angekommen. Das Gebiet ist wirklich ziemlich außerhalb und man sieht: Hier sind die Systeme rudimentär eingerichtet. Zum Glück hat mir Tessa verraten, dass ich bei solchen kleinen Bahnhöfen darauf achten muss, was die Ein- und Ausstiegsterminals sind, an denen man sich ein- und ausloggen darf. Guter Tipp.

Jetzt wurde ich gerade ordentlich verwirrt. Bei dem kleinen Bummelzug, mit dem ich jetzt hier fahre, konnte ich nur in den vorderen Waggon einsteigen. Zudem war ein Vater mit seinem Kind auf dem Bahnsteig, der nicht einstieg. Also gleich mal eine doppelte Verwirrung. Ich verstehe bisher nicht, warum der hintere Waggon nicht zum Ein- und Aussteigen ist.

Alles klar, jetzt habe ich das System verstanden. Einsteigen kann man im hinteren Teil, aber aussteigen tut man an den Stationen vorn, um sich auch auszuchecken. Ich bin jetzt aber schon angekommen und jetzt geht es zu meinem ersten Ziel für heute, dem Kurama-dera-Tempel.

Aber erst einmal muss ich von diesem hier ein Foto machen und schauen, was das ist. Alles klar, das ist ein Tengu, genauer gesagt der Kurama‑Tengu, ein Berggeist. Der Berg Kurama gilt als einer der klassischen Wohnorte der Tengu; speziell der „König der Tengu“ Sōjōbō soll hier leben.

Ich habe gerade den Eintritt zum Kurama-dera-Tempel bezahlt, waren nur 500 Yen, und jetzt werde ich mit der wahrscheinlich kürzesten Standseilbahn der Welt hier den Berg hinauffahren. Eine Fahrt kostet noch mal 200 Yen.

Ich hatte gerade echt Glück, dass ich zeitig da war, da hinter mir zwei größere Gruppen eingerückt kamen. Die haben nicht mehr alle in die Bahn gepasst. Und wenn man bedenkt, dass diese nur alle 20 Minuten fährt, dann hätte ich ganz schön lange warten müssen.

Jetzt geht es auch für mich zu Fuß den Berg hinauf. Schnell noch die Tempelreinigung durchführen, habe ich ja gestern fleißig geübt. Und jetzt die Stufen hinauf. Mein Ziel ist der Gipfel. Anschließend möchte ich wieder zurücklaufen.

Wow, ich bin schon wieder begeistert. Ich kann immer nur sagen: „Das ist einfach nur wunderschön, wie diese Tempelanlagen in den Bergen eingelassen sind. Und wenn ich den ganzen Ahorn hier sehe, kann ich mir gut vorstellen, wie das hier im Herbst aussieht. Absoluter Tipp.

10:15 Uhr: Ich bin oben angekommen. Hier oben gab es mal einen alten Zedernwald. Vereinzelt stehen noch ein paar Bäume da. Aber ich sehe auf der Übersichtskarte und auch hier vor Ort, dass es einen größeren Waldbrand gab.

Trotzdem wirkt das hier alles sehr idyllisch und beruhigend. Ein wirklich schöner Ort zum Entspannen, zumal ich aktuell noch der Einzige hier oben bin. War vielleicht eine sehr gute Idee, zeitig los zu machen.

Ich bin aktuell auf dem Rückweg und habe gerade eine kleine Pause eingelegt, als sich neben mir am Boden etwas bewegte. Als ich genauer hinsah, war dies eine Schlange. Deswegen gleich mal den Zoom ausgetestet und einen Schnappschuss von ihr gemacht. Sie war aber ganz schön schnell und wollte sich scheinbar nicht fotografieren lassen. 😂

Der Weg hinab ist im Übrigen auch wunderschön. Hier gibt es noch viele kleine Schreine links und rechts vom Weg, die man sich anschauen kann. Und soeben bin ich durch ein wirklich altes Tor gelaufen. Das war alles so mit Moos zugewachsen, einfach nur wunderschön.

Hier mal noch ein paar Informationen zu dem Tempel, die ich erhalten habe. Kurama gilt seit der Heian-Zeit als Schutzort für den Norden Kyotos und ist eng mit Berg- und Naturverehrung verbunden; viele Besucher kommen gezielt wegen der „Power Spot“-Atmosphäre und zum Meditieren.

Auffällig ist, dass vor dem Eingang zum Tempel und der Haupthalle keine Komainu (Löwenhunde), sondern ein Paar „A-un-Tiger“ die Anlage symbolisch bewachen. Das unterstreicht den Bezug zu Bishamonten, dessen Glückstag der Tiger-Tag ist. Kurama wird zudem als einer der Ursprungsorte der Reiki-Heilkunst betrachtet. Jetzt mache ich aber weiter, zum nächsten Tempel. Also wieder ein Stückchen zurück.

12:15 Uhr: Ich bin gerade am Renge-ji-Tempel angekommen. Das ist ein kleiner, versteckter Tendai-Tempel im Norden Kyotos, der vor allem für seinen wunderschönen Gartenteich und die Ruhe bekannt ist.

Im Übrigen hat der Zugführer, als ich aus dem Zug ausgestiegen bin, genau aufgepasst, dass ich mich auch am Automaten auschecke. Ich war auch der Einzige, der an der Station ausstieg. Damit ist auch dieses Rätsel endgültig gelöst, wie das Ganze funktioniert. Die passen hier auf. 😂

Jetzt aber zurück zum Renge-ji-Tempel. Das Highlight ist, wie bereits erwähnt, der Garten. Das ist ein Teichgarten, dessen Wasser vom Takano-Fluss gespeist wird und der voll mit Ahornbäumen und Moos ist. Den Eintritt von 500 Yen habe ich direkt in dem Gebäude bei einem Mönch entrichtet.

Da hier aber gerade alle Plätze mit Blick auf den Garten besetzt sind, laufe ich mal rüber zu dem kleinen Tempelgebäude. Oha, hier drinnen gibt es ein rundes Bild an der Decke von einem Drachen, einem sogenannten „Unryū-zu“ (Drachen in den Wolken). Dieser wirkt hier als Schutzsymbol über dem Altarraum.

Sehr groß war die Anlage nicht. Deswegen laufe ich gleich weiter zum nächsten Tempel. Fahren lohnt sich nicht, da die Fahrzeit ungefähr genauso lange dauern würde wie der Fußmarsch bis dorthin. Das sind rund 40 Minuten.

Das war eine gute Idee, den Weg zu Fuß zurückzulegen. So kann ich mir gleich noch etwas die Umgebung genauer anschauen. Das wirkt hier alles eher ländlich. Aber vor allem herrscht hier gerade eine extreme Ruhe.

13:00 Uhr: Ich bin beim nächsten Ziel, dem Enkōji-Tempel, angekommen. Jetzt noch fix die 800 Yen Eintritt bezahlt und dann rein. Wow, das Teil beeindruckt mich richtig. Gleich hier am Eingang gibt es einen größeren Steingarten. Der sieht echt schick aus.

Ich schaue mal schnell nach, worum es sich bei dieser Anlage handelt. Interessant, gegründet wurde Enkōji 1601 von Tokugawa Ieyasu (erster Shogun des Tokugawa Shogunats), ursprünglich nicht als Tempel, sondern als Schule zur Förderung von Bildung. Später wurde es dann ein wichtiges Zentrum für Gelehrte, Samurai und Mönche.

Super, ich habe eines der Highlights hier entdeckt, das Suikinkutsu. Das ist ein im Boden verborgenes Klanggefäß, in das Wasser tropft. Und man hat hier zwei Bambusrohre aufrecht hingestellt, über welche man den Klang hören kann. Echt schick.

Hier gibt es auch einen kleinen Bambushain. Der sieht auch schick aus. Und ich habe gerade mal nachgelesen, was es mit diesem wunderschönen Steingarten auf sich hat. Dieser Teil heißt „Honryū-tei“ (Garten des stürmischen, rasenden Drachen) und stellt mit seinen Steinformationen einen Drachen dar, der durch ein Meer aus Kies und im Herbst, Herbstblättern fliegt. Interessant. Jetzt mache ich weiter zum nächsten Tempel.

14:30 Uhr: Ich bin bei meinem nächsten Ziel, dem Ginkaku-ji-Tempel, angekommen. Ich habe mir soeben auch noch etwas richtig Leckeres gegönnt, nämlich ein Eis mit Honig. Diese Kombination hatte ich bisher noch gar nicht gegessen. Und ich kann nur sagen: wirklich sehr gut.

Whoa, wieso stehen hier so viele Leute an? Da muss ich gleich mal nachschauen, was das für einen Grund hat. Alles klar, nämlich weil er einer der berühmtesten Zen-Tempel Kyotos ist, UNESCO-Welterbe, und als Geburtsort eines großen Teils der „klassischen“ japanischen Kultur gilt. Interessant, und ich bin gespannt.

Wow, wirklich sehr schön, und hier um den großen Sandhügel bilden sich gerade Fotogruppen. Was hat es damit auf sich? Alles klar, der große Sandkegel heißt Kōgetsudai („Mondschauplattform“). Er wird oft als abstrahierte Form des Fuji interpretiert und soll in klaren Nächten als symbolischer Platz dienen, um den Mond über dem „Silbermeer“ zu betrachten.

Im Übrigen ist dieser ganze feingehackte Sand, der hier Wellenmuster bildet, eine Abbildung des Ozeans, also des Meeres. Das wurde mir erstmals richtig bewusst durch die Neuverfilmung von „Shogun“. Vorher hatte ich keine Ahnung, warum man den Sand so gestaltet.

Hier vorn geht ein Weg nach oben, von dem aus man wahrscheinlich einen schönen Blick auf die gesamte Anlage hat. Zum Glück lösen sich hier auch die Menschenmassen etwas auf. Oder ich bin einfach schon so spät hier, dass der Großteil bereits durch ist.

Der Pavillon, der hier in der Mitte steht, heißt im Übrigen „silberner Pavillon“. Das Ganze ist zwar etwas irreführend, da der Pavillon nicht wirklich silber ist, aber man vermutet, dass ursprünglich einmal geplant war, ein Gegenstück zu dem „Goldenen Pavillon“ hier zu erschaffen und diesen wirklich mit Silberfolie zu überziehen.

15:00 Uhr: Wirklich lange habe ich es aber nicht gebraucht. Durch die vorgegebene Route und die Menschenmassen läuft man hier in gemächlichem Schritt den anderen hinterher. In den anderen Anlagen konnte ich mich dagegen viel freier bewegen.

Jetzt mache ich weiter zu meinem nächsten Ziel für heute. Die Strecke werde ich ebenfalls zu Fuß ablaufen, da sie an einem schönen Bach entlang führen soll. Ich lasse mich überraschen, was ich zu sehen bekomme. Aber mit Tempeln ist heute wahrscheinlich erst einmal Schluss. 😂

16:00 Uhr: Ich bin bei meinem nächsten Ziel für heute angekommen, dem Murin-an-Garten. Zu dem Garten gehört eine Villa, welche von einem der mächtigsten Politiker in der Meiji-Zeit zwischen 1894 und 1896 gebaut wurde.

Der Meiji‑Politiker Yamagata Aritomo errichtete diese Villa als Privatvilla. 1941 ging die Anlage von der Familie Yamagata an die Stadt Kyoto über. Dann mal die 1.000 Yen Eintritt bezahlt und rein geht‘ in die Anlage.

Aber was ist an diesem Ort so besonders? Der Garten wurde von Ogawa Jihei VII. (Ueji) gestaltet, dem Star‑Gartenmeister der Meiji-Zeit. Sein Stil wurde später zum Standard moderner japanischer Gärten.

Zudem fand hier am 21. April 1903 die sogenannte „Murin‑an-Konferenz“ statt, bei der Yamagata Aritomo, Itō Hirobumi, Katsura Tarō und Komura Jutarō Japans Kurs gegenüber Russland besprachen. Das war faktisch eine Weichenstellung vor dem Russisch‑Japanischen Krieg, bei dem später das erste Mal eine asiatische Macht eine westliche Macht besiegte.

Das mit dem Gartenmeister Ueji interessiert mich jetzt genauer. Mal schauen, was der noch so für bekannte Gärten gestaltet hat. Und vielleicht kenne ich einen dieser bereits.

Ich sehe, zwei der Gärten befinden sich hier in unmittelbarer Nähe. Der eine schließt um 18 Uhr und der andere hat rund um die Uhr geöffnet. Na dann weiß ich doch, was ich mir jetzt noch anschauen werde. Zumal sich im zweiten Garten eines meiner Ziele befindet. Auf geht’s.

16:45 Uhr: Hmm, ich bilde mir ein, hier war ich schon einmal. Denn den Heian-jingū-Schrein habe ich definitiv 2018 schon einmal besucht. Soweit ich mich noch erinnern kann, bin ich auch in der dahinterliegenden Gartenanlage gewesen. Aber es kann durchaus sein, dass ich damals nicht mehr viel Zeit hatte. 

Aber spielt doch alles keine Rolle. Schnell die 600 Yen bezahlen und danach rein in die Anlage. Wow, hat sich schon gelohnt. Einfach nur schön. Und da ich heute Zeit habe, werde ich gemütlich durch die Anlage laufen.

Ich habe mir gerade mal ein paar Infos geben lassen. Der Garten Heian-jingū Shin’en ist so etwas wie Ogawa Jiheis „Showroom“: ein riesiger Rundweg-Garten, der einem in vier Bereichen zeigt, was ein moderner Meiji-Garten kann.

An einer Stelle bin ich über Steine in einem Teich gelaufen und habe später erfahren, dass dies der Rücken eines Drachens sein soll. Und bei der überdachten Brücke Taihei‑kaku sehe ich gerade, dass man sich hier Futter kaufen und damit Karpfen, Schildkröten und Enten im Teich füttern kann. Sehr witzig. Und jetzt? Weiter zum nächsten Ziel.

18:00 Uhr: Angekommen an meinem letzten Ziel von heute, dem Maruyama-Park. Dieser Park wurde ebenfalls von dem Gartenmeister Ueji gestaltet. Das Gute hier ist, er ist kostenfrei und rund um die Uhr geöffnet. Und es gibt aktuell noch einige Leute, die hier herumspazieren.

Aber ich bin auch wegen etwas anderem hierher gekommen. Und zwar wegen der Statuen von Sakamoto Ryoma & Nakaoka Shintaro. Damit habe ich alle drei wichtigen Statuen von Sakamoto Ryōma gesehen: die in Nagasaki, letzte Woche die in Tokyo und jetzt hier in Kyoto.

Ich werde jetzt zurück ins Hotel machen und unterwegs vielleicht noch eine Kleinigkeit essen. Das ist heute etwas zu kurz gekommen, aber war kein Problem.

Was ich jedoch schon wieder sagen kann, ist: Der Tag war der Hammer. Ich habe auf dieser Tour schon wieder so viele neue Tempel und Schreine entdeckt, die ich mir ebenfalls noch ansehen möchte. Alleine dafür bräuchte ich einen weiteren Tag.

Jetzt durfte ich gerade noch einmal miterleben, wie hier manche Buslinien komplett von Touristen überfüllt sind. Ich gehe davon aus, dass die Linien, die zur Kyoto Station zurückfahren, immer ziemlich voll sind. Als ich einstieg, war der Bus nach Leer. Zwei Stationen später war er gerammelt voll. Echt crazy.

Ich habe mir jetzt in der Kyoto-Station noch etwas zu essen organisiert. Ursprünglich wollte ich Ramen oder Gyōdon essen, habe mich dann aber für Mapu-Tofu entschieden. War lecker, doch was ich bisher auch noch nicht erlebt hatte, war, dass ich ein Getränk mitbestellen musste. Wenn ich damit fertig bin, geht es dann aber wirklich zurück ins Hotel.


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