09:00 Uhr: Auf geht’s zu meiner heutigen Tour hier in Kyoto. Heute treffe ich mich mit jemandem, die mir ein kleines Unternehmen zeigen wird. Alles soll sehr traditionell sein. Ich bin gespannt.
Aber erst einmal muss ich dorthin kommen und mich durch die Kyoto-Station navigieren. Von der Südseite bin ich schließlich noch nie in diese eingestiegen. Mal schauen, wo es hier langgeht. Aber ich sehe auch hier: Wenn man nicht hetzt, findet man sich easy zurecht.

10:00 Uhr: Ich bin an meinem Ziel, in Yagi, angekommen. Jetzt noch mal fix für kleine Jungs. Und ich glaube, ich muss nicht mehr erwähnen, dass auch hier die Toiletten extrem sauber sind. Ähh, und natürlich kostenfrei. 😂
Ich laufe jetzt noch etwas durch die Gegend, da ich noch ein paar Minuten Zeit habe. Wow, diese kleine Gemeinde liegt wirklich komplett eingebettet in den Bergen. Wenn ich das ganze Grün hier so sehe, kann ich mir sehr gut vorstellen, wie das hier aussieht zur Herbstlaubfärbung.

Mein Kontakt ist da und wir werden jetzt eine Washi-Factory besuchen. Washi ist das spezielle Papier, das hier in Japan hergestellt wird und eine einzigartige Qualität mit sich bringt. Dazu aber gleich mehr. Wir sind nämlich gerade angekommen.
Whoa, ich bin wirklich gerade erstaunt darüber, dass sich in diesem kleinen Areal eine Fabrik befinden soll. Ich hätte das als Wohnhaus ausgemacht. Oh, das ist eine Kombination von einer Fabrik und einem Wohnhaus. Wir werden gerade in das Wohnhaus hineingelassen.

Ich beobachte gerade, was jetzt hier alles passiert. Zuerst werden Visitenkarten getauscht. Dann bekommt der Inhaber der Fabrik von meiner heutigen Begleitung ein Geschenk überreicht.
Jetzt erzählt der Inhaber etwas über die verschiedenen Motive, die sie hier auf das Papier bringen. Sowie darüber, dass sie früher so etwas für Kimonos gemacht haben, aber der Markt für gefärbte Kimonostoffe stark rückläufig war. Deswegen sind sie auf Washi-Papier umgestiegen.

Alles klar, jetzt sind die grundlegenden Dinge ausgetauscht und wir werden uns noch die Fabrik anschauen. Diese befindet sich hier in einem Nachbargebäude. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht in die Farbe treten.
Okay, jetzt verstehe ich, wie das Ganze funktioniert und warum das Papier so teuer ist. Für jede Farbe gibt es eine eigene Schablone. Und die Farben werden nacheinander aufgetragen. Ich erfahre zudem, dass es für die verschiedenen Muster hier insgesamt über 3.000 Schablonen gibt.

Was macht das Papier aber so besonders? Durch die langen Bastfasern ist Washi sehr reißfest, flexibel und langlebig, obwohl es dünn und leicht bleibt. Ich habe den Inhaber mal gefragt, wie lange die Farben halten. Er meinte, sie hätten dies mal bei direkter Sonneneinstrahlung getestet und bestimmte Farben hätten auch nach 5 Jahren nichts an ihrer Intensität verloren.
Zudem lässt sich das Papier falten, nähen, laminieren, mit Lack überziehen oder mit anderen Materialien kombinieren, ohne dass es sofort bricht. Jedes Muster, das hier aufgebracht wird, ist von Künstlern gestaltet worden. Die farbenfrohen Muster stammen aus der Kansai-Region. Muster in Schwarz und Grautönen aus der Region aus Tokio.

12:30 Uhr: Das war wirklich interessant. Jetzt will meine Gastgeberin mit mir noch in ein spezielles Restaurant fahren. Das scheint etwas weiter wegzuliegen. Und so wie ich es sehe, geht es hier wirklich in die Berge hinein.
Wir sind nach einer Stunde Fahrzeit angekommen und ich kann nur sagen: Das Teil liegt wirklich im Nirgendwo. Ich hätte dies definitiv nicht das Restaurant ausgemacht. Aber das Gebäude alleine ist schon sehenswert. Dieses ist noch im Stil der typisch alten japanischen Häuser.

Okay, wir scheinen die einzigen Gäste zu sein. Meine Gastgeberin meinte nur, zur „Golden Week“ hätte man hier reservieren müssen, da der Laden komplett ausgebucht gewesen wäre. Ich bin mal gespannt, was die Spezialität ist.
Wir bestellen ein regionales Soba‑Teishoku, bei dem mehrere „Komfortgerichte“ zusammen in einem Set serviert werden: heißer Hühner‑Eintopf, kalte Soba mit Tororo und Reis mit Beilagen. Ich muss mir aber erst mal erklären lassen, was Tororo ist. Alles klar, Tororo wird aus roher Berg-Yam gemacht, einer länglichen weißen Wurzelknolle.

14:30 Uhr: Wir sind fertig und ich kann nur sagen: Das war richtig lecker. Ich fühle mich weder zu voll noch übersättigt. Noch fix ein Foto von den Reisfeldern gemacht, die sich hier genau gegenüber befinden. Jetzt fahren wir zurück nach Kyoto.
So langsam verstehe ich, warum es viele gibt, die sich ein Auto ausleihen und hier aufs Land hinausfahren wollen. Das ist wirklich wunderschön hier in den grünen Bergen. Und ohne Auto würde man nicht herkommen. Keine Chance.

16:00 Uhr: Wir sind wieder in Kyoto angekommen, das heißt irgendwo am Rand von Kyoto. Ich werde jetzt zu meinem Ziel auf die andere Seite von Kyoto laufen. Das sind nur etwas über eine Stunde zu Fuß. Und ich benötige heute noch unbedingt Schritte. Dann mal los.
Ich bin im Zielgebiet angekommen. Aber es hat länger gedauert. Ich habe zwischendurch noch eine kurze Pause bei Tullys eingelegt. Und am Ende waren so viele Touristen auf der Straße, dass ich nur langsam vorangekommen bin. Jetzt bin ich wirklich im Touristen-Hotspot von Kyoto.

17:15 Uhr: Das Erste, was ich mir jetzt ansehen werde, ist der Nishiki-Markt. Ich glaube, es war eine gute Idee, erst jetzt hierherzukommen. Er ist immer noch ziemlich voll, aber bei weitem nicht mehr so voll, wie wir es beim letzten Mal erlebt haben.
2023 war ich schon einmal hier. Damals war das rund zwei Stunden eher und der Markt war komplett überlaufen. Ich bekomme aktuell aber bereits mit, dass der Großteil der Touristen scheinbar um 17 Uhr verschwunden ist.

Jetzt aber erst einmal Fokus auf die Geschäfte. Es gibt vor allem Foodbereiche, in denen man gemütlich einkehren kann. Und auch hier sehe ich: Ich würde überall einen Platz bekommen. Das sieht aber auch alles verdammt lecker aus.
Problem ist aktuell nur, ich habe keinen großen Hunger mehr. Ich bin schon hin- und hergerissen, was für eine Kleinigkeit ich noch essen werde. Aber was ich aktuell hier sehe, ist mir einfach zu viel. Trotzdem ganz klarer Tipp von meiner Seite: Wenn man nicht weiß, wo man essen gehen soll, dann ab 17 Uhr hier im Nishiki-Markt. Da findet man auf jeden Fall etwas.

Im Übrigen gibt es diesen Markt schon seit über 400 Jahren. 1615, als er schon länger existierte, wurde er offiziell als Fischmarkt anerkannt. Das erklärt eventuell auch, warum es hier so viele Fischrestaurants gibt. Erst 1927 wandelte sich dieser Markt zu der heutigen Shoppingstraße.
So, jetzt weiß ich auch, was ich essen werde. Ich bin gerade an einer Gyodon-Kette. Dieses Mal ist dies die Kette „Matsuya“. Es gibt hier am Eingang sogar eine Anleitung für Touristen, wie man in diesem Restaurant bestellt. Aber auch hier kann man am Automaten auf Englisch umschalten. Dann mal rein und was Kleines holen.

Das war genau richtig. Nicht zu wenig und nicht zu viel. Hat auch nur 780 Yen gekostet. Jetzt mache ich in das Gion-Viertel. Das ist das Geisha- und Maiko-Viertel hier in Kyoto.
Wow, das ist doch weitläufiger als gedacht. Ich werde mich deswegen heute nur auf den nördlichen Teil fokussieren. Lieber möchte ich mir Zeit nehmen und die einzelnen Gassen bewusst erkunden.

Das sieht schon wieder toll aus. Ich achte hier aber sehr genau darauf, dass ich nicht in eine Straße gerate, die für Touristen gesperrt ist. Bisher sehe ich aber noch kein Schild, das darauf hinweist.
Warum gibt es hier gesperrte Straßen? Das ist leider den unrühmlichen Taten von einigen Touristen zu verdanken. Diese verfolgten die Meikos und Geishas hier in dem Viertel, um ein Foto von ihnen zu machen. Daraufhin entschied man, bestimmte Straßen für Touristen zu sperren, um ihnen wieder etwas Privatsphäre zu verschaffen.

Aber wie bereits erwähnt sehe ich hier im nördlichen Bereich des Gion-Viertels bisher keine abgesperrten Bereiche. Stattdessen fallen mir immer wieder kleine Bars auf, die bewusst mit Geisha-Vorführungen werben.
Oh man, ich bin gerade an einer Ecke gelandet, an der mehrere Touristengruppen stehen. Das scheinen die berühmten Touren zu sein, bei denen Touristengruppen durch dieses Viertel geleitet werden. Das sind ganz schön viele pro Gruppe.

Und jetzt habe ich auch eine Seitenstraße entdeckt, mit einem Restaurant, an dem ebenfalls Touristen anstehen. Auch das ist eine solche Entwicklung, welche wir den sozialen Medien zu verdanken haben.
Durch Influencer werden bestimmte Restaurants empfohlen. Anschließend kann sich das Restaurant vor Gästen nicht mehr retten. Dabei existieren rings um das Restaurant viele weitere, die ebenfalls sehr gute Angebote haben. Nur dass in diesen dann niemand mehr drinnen sitzt.

Ich mache mich jetzt gemütlich auf den Heimweg. Wurde im Übrigen gerade von einem Auto angehupt, weil ich es verpeilt habe und mitten in einer Gasse stand, um ein Foto zu schießen. Ich habe mich natürlich entschuldigt.
Ich bekomme nämlich gerade mit, dass ich schon ganz schön fertig bin. Das waren heute doch viele neue Eindrücke. Aber ich habe auch langsam das Gefühl, für Kyoto reicht eine Woche auch nicht aus. Mal schauen, wie es die nächsten Tage wird.

