06.05.2026: Kamakura: Tempel, Bergpfade und das Meer

07:00 Uhr: Heute geht es etwas zeitiger los, denn ich treffe mich gleich mit Tessa von Wanderweib in Kamakura. Ich bin aber gefühlt auch schon seit 3:30 Uhr munter.

Dann mal los, noch fix das Ticket für die Greencar aufladen und dann rein in den Zug, sind nur 45 Minuten bis dorthin. Scheinbar hätte ich mir das Ticket sparen können. Der Zug, er ist nahezu leer. Ich bin hier auch der Einzige in der Greencar. Egal, hat nur 750 Yen gekostet.

8:00 Uhr: Ich bin angekommen. Tessa ist auch schon da. Jetzt wollen wir den Engaku-ji besuchen. Oh, der macht erst um 8:30 Uhr auf. Dann haben wir noch etwas Zeit. Dann erst einmal eine Toilette aufsuchen. Und jetzt heißt es warten.

Wir wollten soeben die Treppen zum Tempel hinaufgehen, aber das ging noch nicht, da die Treppe gerade gesäubert wird. In den Tempel war ich im Übrigen schon einmal, 2017. Damals kam gerade das neue Zelda‑Spiel heraus und der Tempel hat mich immerzu an dieses Spiel erinnert.

08:30 Uhr: Super, jetzt öffnet der Tempel. Ich darf mich heute im Übrigen als Kameramann hier nützlich machen. Tessa benötigt Aufnahmen für ihren YouTube-Kanal.

Und da ich jetzt zwei Reiseführer zur Verfügung habe, einmal Tessa und einmal natürlich meinen KI‑Reiseführer, lasse ich mir gleich noch ein paar interessante Infos zu dem Tempel geben.

Der Regent Hōjō Tokimune ließ Engaku-ji nach der abgewehrten zweiten Mongoleninvasion errichten, um die gefallenen Krieger zu ehren und den Zen-Buddhismus zu fördern, der besonders die Samurai ansprach.

Der Name „Engaku“ („vollkommene Erleuchtung“) geht auf eine buddhistische Schriftrolle (Sutra of Perfect Enlightenment) zurück, die bei den Bauarbeiten in einer Truhe gefunden wurde.

Ich muss gerade lächeln, da sich hier zwei Eichhörnchen durch die Bäume jagen. Die machen richtig Lärm und Rambule. Aber witzig anzusehen.

Jetzt geht’s hinauf zur größten Glocke von Kamakura. Das sollen viele Stufen sein. Aber wenn ich das so sehe, ist das gefühlt eher ein Spaziergang. Whoa, tolle Aussicht. Und die Glocke ist wirklich riesig. Hier oben gibt es auch ein Teehaus, wo man Matcha-Tee genießen kann.

09:30 Uhr: Weiter geht’s zum nächsten Tempel, dem Jōchi-ji. Der befindet sich hier gleich um die Ecke. Das ist wirklich nur ein kurzer Fußmarsch bis dahin.

Was ich hier in Kamakura im Übrigen auch immer wieder mag, sind die Straßen, an denen man sehr schöne Streetfotos machen kann. Und die Busse, die hier fahren, finde ich auch immer wieder putzig.

Wir sind beim Tempel angekommen und ich kann nur sagen: Hier ist gar nichts los. Der scheint von Touristen wirklich links liegen gelassen zu werden. Gut für uns, dann haben wir Zeit und Ruhe, diesen zu erkunden.

Dieser Tempel gilt im Übrigen als Nummer vier der „Fünf großen Zen-Tempel von Kamakura“. Ich muss gleich mal schauen, was die anderen sind. Der Engaku-ji war die Nummer 2. Eventuell laufe ich die anderen drei bei meiner nächsten Tour ab.

Der Jōchi-ji wurde als großer Zen-Tempel konzipiert und war im 14. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum: Es gab elf Nebentempel, und zeitweise lebten rund 500 Menschen hier, ohne die Mönche mitzuzählen.

Wir sind gerade bei der Hotei-Statue, einem lachenden Buddha, angekommen. Wenn man den Bauch von dem Buddha reibt, soll das Glück bringen. Das mache ich doch gleich mal.

Ich muss im Übrigen gerade schmunzeln, da ich hier einen Absperrkegel sehe, in den ein Buddha integriert ist. Selbst die Sicherheitskegel sind ihr religiös.

Was dagegen nicht so witzig ist und womit man hier zu kämpfen hat, ist der Müll von Touristen. Auf einem der Körbe, die hier stehen, prangt ein Schild, das besagt, dass dies kein Mülleimer ist. In diesem Korb befinden sich Holzlatten mit Sprüchen, die den Verstorbenen gereicht werden.

Wir laufen jetzt weiter zum Genjiyama-Park. Mir war gar nicht bewusst, dass es hier über die Berge kleine Wanderwege gibt. Aber so wie diese aussehen, würde das als gut ausgebauter Wanderweg bei uns in Deutschland durchgehen.

Und ich muss gerade schmunzeln, da hier überall an den Bäumen Hinweisschilder dran sind, wahrscheinlich wenn die Gefahr besteht, dass diese umstürzen können.

Und schon haben wir das nächste Ziel erreicht. Hier um den Park herum gibt es mehrere kleine Schreine. Aber historisch interessant sind vor allem ein bekanntes Grab von  Hino Toshimoto und eine Statue von Minamoto no Yoritomo, die sich hier befinden.

Minamoto no Yoritomo (1147–1199) war der Gründer und erste Shōgun des Kamakura‑Shōgunats und regierte formal von 1192 bis 1199. Hino Toshimoto dagegen, unterstützte den Kaiser dabei, das Kamakura‑Shōgunat zu stürzen und die direkte Kaiserherrschaft wiederherzustellen. Er wurde 1332 hier hingerichtet.

11:00 Uhr: Super, wir sind schon bei unserem nächsten Schrein, dem Zeniarai-Benzaiten-Ugafuku-Schrein, angekommen. Das ist der offizielle Schrein, wo man Geldwäsche betreiben darf, aber hier im wörtlichen Sinne.

Wow, das sieht wirklich schön aus. Um zum Schrein zu gelangen, sind wir durch einen Tunnel gegangen. Das Teil liegt hier wirklich sehr schön eingebettet zwischen Felsen.

Was hat es aber mit dem Brauch auf sich, das Geld zu waschen? Gleich mal nachschauen. Aha, der Brauch geht mindestens auf Hōjō Tokiyori im 13. Jahrhundert zurück. Die Legende besagt: Wenn du dein Geld (Scheine und Münzen) im Quellwasser wäschst, vermehrt es sich symbolisch. Das gewaschene Geld soll „sauber“ und gesegnet zurück in den Umlauf gehen und dann vermehrt zu dir zurückkommen.

Das ist wirklich interessant, dass es hier um den Geldkreislauf geht. Man hat also früher schon verstanden, dass es nicht wichtig ist, wie viel Geld in einem System vorhanden ist, sondern dass das Entscheidende die Rotationsgeschwindigkeit des Geldes ist.

Wir werden jetzt weiterlaufen zum Kōtoku-in. Das ist der Tempel mit dem großen Buddha, bei dem ich 2017 und 2024 schon einmal gewesen bin. Aber erst einmal geht es hier über die Berge auf die andere Seite.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es hier einen so schönen Wanderweg gibt. Das macht wirklich Spaß, über die Bergkette zu laufen. Viel Grün und wenig Touristen sind hier unterwegs. Das war eine tolle Idee von Tessa.

12:30 Uhr: Wir sind angekommen und ich bin wirklich überrascht, dass hier viel weniger los ist als gedacht. Was mir sofort auffällt, ist aber das Hinweisschild, das hier am Eingang steht. Scheinbar gab es in der Vergangenheit viele Probleme mit Gästen, die Essen mitgebracht hatten.

Jetzt noch fix den Eintritt gezahlt und dann rein. Ich wäre dieses Mal ja nicht hineingegangen, aber für Videoaufnahmen mache ich das Ganze gerne mit. Dann noch fix ein Foto von dem großen Buddha und seinen Sandalen gemacht. Und wie sagt man so schön: „Abgehakt“ und weiter geht’s.

13:00 Uhr: Weiter geht’s zum Hase-dera. Das ist ein Tempel, den ich wirklich mag. Hier gibt es viel zu entdecken und ein paar schöne Fotomotive. Aber auch hier war ich bereits zweimal.

Ich überlege gerade, was ich hier noch fotografieren kann, lass mir aber erst einmal eine kurze Übersicht darüber geben, ob es hier die besonderen Highlights gibt.

Hmmm, die elfköpfige Kannon-Statue (Kannon-dō) kenne ich bereits. Die lasse ich dieses Mal aus. Auch den unteren Garten mit Teich, Brücken und Wegen, bei denen sich der  Hase-dera als Blumentempel profiliert hat, werde ich heute nur streifen.

Was ich mir dagegen jetzt genauer anschaue, ist die Benten-kutsu-Höhle. Whoa, ich erinnere mich gar nicht mehr daran, dass die Lichteffekte in dieser so schick sind. Die kleine Felsgrotte ist im Übrigen der Benzaiten (Benten) gewidmet, der Göttin für alles „Fließende“, worunter Wasser, Musik, Worte und auch Geld zählen. Und da haben wir es wieder: Geld muss fließen.

Weiter geht’s zum Jizō-dō. Hier stehen hunderte kleine Jizō-Statuen, die für verstorbene oder ungeborene Kinder aufgestellt wurden. Wow, einfach nur wow. Immer wieder ein toller Fotospot, wahrscheinlich auch einer der bekanntesten hier im Tempel.

Jetzt werde ich mir noch die Aussichten anschauen, mit denen man von hier aus einen schönen Blick über die Küstenlinie bei Kamakura hat. Oh, ich sehe gerade: In ein paar Wochen werden hier die Hortensien blühen. Dann kann man diese hier im Tempel bewundern.

14:15 Uhr: So langsam bekommen wir Hunger. Hmmm, aber was und wo sollen wir essen? Das Ganze ist hier in der Gegend sehr stark touristisch geprägt. Oha, hier scheint es ein eher lokaltypisches Restaurant zu geben. Und es gibt Okonomiyaki, genau das, was ich heute noch essen wollte. Dann mal rein.

Oh, das sieht wirklich urig aus. Zum Glück kann Tessa sehr gut Japanisch und klärt gleich alles mit dem Personal ab. Diese sind wirklich glücklich darüber, dass sie mit einem Ausländer Japanisch reden können und nicht auf Englisch kommunizieren müssen. Wir bekommen einen Tisch am Boden und lassen uns jetzt unser selbst zubereitetes Okonomiyaki schmecken.

15:00 Uhr: Das tat gut und wir haben uns jetzt dazu entschieden, doch noch den Fußweg nach Enoshima zu laufen. Wir wollen dazu an der Küste entlang gehen und so noch ein paar Aufnahmen von der Insel aus der Ferne machen.

Ah, da vorn ist schon das Meer. Aber das Wetter spielt gerade gar nicht mehr mit. Es setzt gerade ein ganz dezenter Nieselregen ein. Dann mal Basecap auf und hoffen, dass es nicht heftiger wird.

Whoa, wir haben endlich den Küstenabschnitt mit dem Blick auf Enoshima erreicht. Bei schönem Wetter würde man jetzt da hinten sogar den Mount Fuji sehen. Ich mache mal fix ein Foto und lass dies mit KI in den Schönwettermodus umwandeln. Alles klar, so sollte das also aussehen.

Im Übrigen fliegen hier sehr viele Falken herum. Ich weiß noch, dass es auf Enoshima Hinweisschilder gab, die wir heute auch in Kamakura gesehen haben, die vor Falken warnen, welche begierig auf das Futter sind. Die Falken fliegen aber hier auch wirklich tief. Sehr ungewohnt, aber schöne Vögel.

17:00 Uhr: Apropos Futter, wir haben gerade noch mal einen Stopp in einem Café eingelegt und uns leckere Soufflé-Pancakes gegönnt. Das sind die luftigen japanischen Pfannkuchen mit Sirup und Buttergeschmack. Die hatte ich davor auch noch nie gegessen. War lecker.

Jetzt laufen wir weiter zu unserem Zielbahnhof, von dem es nach Hause geht. Oh, wir sind gerade an der berühmten Stelle angekommen, die sich wegen der Anime‑/Enoden‑Szenerie zu einem der meistbesuchten „Hidden Viewpoints“ in Kamakura entwickelt hat: dem Slam-Dunk-Bahnübergang. Aber was mir sofort auffällt: Hier liegt auch viel Müll.

17:30 Uhr: Es wird Zeit, Abschied zu nehmen. Tessa benötigt jetzt noch rund 90 Minuten und ich rund eine Stunde zurück zu meiner Unterkunft. Für heute reicht es. Es war ein ereignisreicher Tag. Ich habe viele neue Dinge gesehen und bin von den Wanderwegen in Kamakura begeistert.

Noch ein letztes Foto von der „Enoden Line“, die auch heute von Touristen hoffnungslos überfüllt ist. Und ich sehe gerade, wir haben sogar noch mal Glück und die „One Piece Edition“ davon erwischt. Wenn das mal kein geiler Abschluss des Tages ist. Yippi.


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