08:30 Uhr: Seit 4:30 Uhr bin ich putzmunter, nachdem ich wirklich fünf Stunden lang geschlafen habe. Aber es wird um die Zeit auch schon hell in Japan.
Jetzt starte ich deswegen schon zu meiner heutigen Tour. Die Anfahrt wird etwas länger sein als gestern, aber die Richtung ist dieselbe. Hmm, ich realisiere gerade, dass man hier in Shinagawa scheinbar den kompletten Bahnhof umgestaltet. Und alles, während der Betrieb normal weiter läuft.

Ich habe mich jetzt spontan dazu entschieden, noch ein Update zu holen, in Form eines Ticket+ für die Greenclass. Dadurch, dass man die Automaten auf Englisch umstellen kann, ist das in der Zwischenzeit wirklich einfach.
Jetzt noch in der richtigen Reihe anstellen, ich stand nämlich gerade an der falschen Stelle, und dann ab in den Zug. Wow, der sieht gut gefüllt aus.

10:30 Uhr: Ich bin angekommen und heute habe ich wirklich das erste Mal das Gefühl, dass hier Feiertage sind. Es sind richtig viele Menschen unterwegs, aber bei weitem nicht so viele, wie man dies in Asakusa gewohnt ist.
Erst einmal muss ich aber ein stilles Örtchen aufsuchen, und ich habe auch schon eine Idee, wo ich eins finden werde, welches nicht überrannt ist wie hier in der Narita-Station. Habe ich es doch richtig vermutet. Neben der Station gibt es eine Art kleines Shoppingcenter mit Büros. Und hier sind natürlich jede Menge gut ausgestattete Toiletten drin.

Jetzt werde ich auf der Zugangsstraße zum Tempel der Omotesando in Richtung des Naritasan Shinshoji Tempels laufen. Allmählich begreife ich, wie solche Straßen aufgebaut sind.
Auch hier gibt es viele Geschäfte, in denen man Kleinigkeiten holen kann. Aber ich sehe schon, das lokale Highlight ist definitiv Aal. Oh, ich sehe, es gibt hier sogar ein Aal-Onigiri. Das muss ich mir später noch holen.

Wow, die Straße wird hier immer enger. Links und rechts auf dem ersten Teil befinden sich im Übrigen viele Steinfiguren, welche die 12 Tierkreiszeichen darstellen. Ich lese gerade, dass man sich auf diese auch draufsetzen und sich mit seinem Tierkreiszeichen fotografieren lassen kann.
An der Narita-Station dachte ich zuerst, dass hier sehr viele Touristen unterwegs sind, aber jetzt, hier im hinteren Teil, stelle ich fest: Der überwiegende Teil sind wirklich Japaner, die den heutigen Feiertag genießen.

Ich bin am Naritasan Shinshoji Tempel angekommen. Wow, hier gibt es wirklich ein paar sehr alte Gebäude. Das sieht schon wieder richtig schick aus.
Whoa, was ist das? Hier stapeln sich gerade in einem kleinen Teich die Schildkröten auf einem Felsen übereinander. Das ist wirklich lustig anzusehen. Gleich mal eine Nahaufnahme schießen.

Weiter geht’s die steile Treppe hinauf. So wie es aussieht, sind nur die kleineren Gebäude des Tempels noch im Original erhalten. Der Tempel soll im Übrigen schon über 1.000 Jahre alt sein. 940 wurde dieser gegründet.
Ich habe gerade mal recherchiert: Das älteste Gebäude stammt von 1701. Beeindruckend ist auch die Pagode, die auf das Jahr 1712 datiert ist. Man sieht das alt aus.

Wow, das Ganze wird immer beeindruckender. Ich laufe gerade einen weiteren Berg hinauf und hier oben gibt es weitere Gebäude, die scheinbar ebenfalls so alt sind wie die anderen.
Ich schieße hier gerade ein Foto nach dem anderen, weil ich mich nicht entscheiden kann. Soll ich zuerst die alten Gebäude fotografieren oder mich doch lieber auf die vielen kleinen Statuen fokussieren, die hier verteilt sind? Egal, ich nehme alles mit.

Ich habe jetzt noch einmal ein wenig recherchiert, was es mit diesem Tempel auf sich hat. Und tatsächlich gehört der zu einem der bedeutendsten und beliebtesten Tempel in Japan. Jährlich sollen 10 Millionen Besucher hierherkommen.
Zudem sollen hier an den ersten Neujahrstagen ebenfalls drei Millionen Besucher herkommen, genauso wie bei dem Heiken-ji, den ich mir vor drei Tagen angesehen habe. Der Narita-Tempel ist somit die Nummer 2 nach dem Meiji-Schrein und vor dem Heiken-ji für Neujahrsbesuche in der Kanton-Ärea.

Wow, hier direkt hinter dem Tempel gibt es noch eine größere Parkanlage. Die sieht aber auch sehr schick aus. Man kann hier auf mehreren Wegen um die zwei kleinen Seen herumlaufen, die sich hier befinden.
Oh, hier gibt es auch ganz viele Gräber und Statuen. Der Park scheint somit früher einmal direkt zum Tempel dazugehört zu haben. Sehr interessant und wirklich sehr, sehr schön gemacht.

12:15 Uhr: Ich bin durch und laufe jetzt wieder zurück zur Station, um zu meinem nächsten Ziel zu fahren. Mir fallen jetzt auch die Häuser auf, welche schwarz gestrichen sind. Ich recherchiere mal fix, warum das so war. Oh, das ist wirklich interessant. Hier mal ein paar Infos dazu:
Die schwarze Farbe ist das Ergebnis einer traditionellen japanischen Technik namens Yakisugi (auch als „Shou Sugi Ban“ bekannt). Bei dieser Methode wird die Oberfläche von Zedernholz (speziell japanische Sugi-Zeder) kontrolliert verkohlt, wodurch eine schwarze, karbonisierte Schicht entsteht.

Die Verkohlung war keine ästhetische Entscheidung, sondern hatte mehrere praktische Vorteile:
- Schutz vor Feuer: Die karbonisierte Oberfläche macht das Holz widerstandsfähiger gegen Flammen.
- Wasserabweisend: Die verkohlte Schicht schützt das Holz vor Feuchtigkeit und verlängert seine Lebensdauer erheblich
- Insekten- und Schimmelschutz: Die schwarze Kohleschicht wirkt als natürliche Barriere gegen Schädlinge und Pilzbefall
Sehr interessant. Jetzt gönne ich mir aber noch ein Aal-Onigiri, also quasi ein Unagiri. 😂

13:45 Uhr: Ich bin in meinem nächsten Ziel angekommen. Normalerweise sollte ich noch eine Station mit einer anderen Linie fahren, aber da das Ziel nur 15 Minuten zu Fuß entfernt ist, werde ich die Strecke einfach laufen. So kann ich mich noch etwas inspirieren lassen und vielleicht entdecke ich auch noch etwas Cooles.
Aktuell wirkt hier alles wie ausgestorben. Scheint eine verschlafene Ecke zu sein, vielleicht auch wegen des Feiertags. Apropos schlafen: Auf dem Weg hierher habe ich es wie die Japaner gemacht und mir ein kleines Schläfchen in der Bahn gegönnt. Ich war dabei nicht der einzige. Und wenn man einmal den Dreh raus hat, dann geht das auch sehr gut, ohne dass man auf den Nachbarn kippt. 😂

Ich bin endlich am eigentlichen Ziel angekommen. Aber unterwegs gab es nicht wirklich etwas Interessantes zu sehen. Dafür sieht das hier sehr interessant aus.
Ich lese gerade, dass dieser Bereich im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Das bedeutet, die Omotesandō, die hier zum Tempel führt, ist noch im Originalzustand erhalten geblieben.

Hier vor dem Bahnhof stehen zwei Figuren, mit denen sich alle fotografieren lassen. Ich muss gleich mal schauen, warum das so interessant ist. Ah, ich verstehe. Dies sind die beiden Hauptdarsteller von einer der erfolgreichsten Filmreihen in Japan. Sämtliche Filme sollen hier im Viertel begonnen und geendet haben.
Die Reihe hieß im Übrigen „Otoko wa Tsurai yo“ (男はつらいよ, „Es ist schwer, ein Mann zu sein“) Die Hauptfigur Torajirō Kuruma, genannt „Tora-san“, ist dabei ein umherziehender kleiner Gauner und Straßenhändler, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt. Er versucht sich allen Verpflichtungen zu entziehen und ist ein ewiger Verlierer, der weder finanziellen Erfolg noch privates Glück findet.

Tora-san war besonders berühmt für sein chronisches Pech in der Liebe. Der Running-Gag der Filme war: In jedem Film verliebte er sich in eine schöne lokale Frau, findet aber auch immer einen Weg, es zu vermasseln.
Deswegen gibt es hier auch jede Menge Essen mit dem Konterfei des Charakters sowie alte Filmplakate und Fotos, die Filmszenen zeigen, die hier gedreht wurden. Ich muss direkt mal schauen, ob man sich einen der Filme irgendwo in Deutschland auf einer Plattform anschauen kann.

Jetzt geht’s aber endlich in den Kyoeizan-Daikyoji-Tempel. Wow, das Eingangstor sieht schon wirklich sehr imposant aus. Dies wurde im Übrigen 1896 von Meister Sakata erbaut, dem letzten Meister der Edo-Architektur. Wieder ein Stückchen Geschichte.
Whoa, der Tempel sieht richtig schick aus. Ich bin gerade absolut begeistert. Und ich sehe gerade, man scheint hier hinten auch noch in einen japanischen Garten zu gelangen. Dafür muss man aber in den Tempel hinein. Deswegen stehen die Menschen hier alle an.

Ich stelle gerade fest, ich hätte mich gar nicht anstellen müssen, wenn ich nicht in den Tempel zum Beten möchte. Aber egal, so habe ich wenigstens nicht für Unruhe gesorgt und die Harmonie bewahrt. Schuhe muss ich jetzt auch noch ausziehen. Aber zum Glück habe ich einen Beutel dabei und mein Rucksack ist groß genug, um diese einzupacken.
So, jetzt gleich in den hinteren Teil. 400 Yen Eintritt bezahlt. Und dann… Bhoa, es geht erst einmal um den Sockel von dem Tempel herum. Hier gibt es richtig viele schöne Holzschnitzereien. Man, das sieht beeindruckend aus. Die Holzschnitze zeigen im Übrigen Szenen aus dem Leben und den Lehren Buddhas.

Jetzt aber ab in den japanischen Garten. Ich laufe hier gerade auf Holzwegen, einmal um die Anlage herum. Man hat echt schöne Einblicke von allen Seiten. Aber besonders angenehm ist es, mal aus den Schuhen herauszukommen. Fühlt sich gut an.
Im Übrigen ernannte das Umweltministerium 1996 den Tempel und seine Fähre zu einer der 100 Klanglandschaften Japans. Das aber nur mal am Rande, um ein Gefühl dafür zu erhalten, dass das hier wirklich bedeutsam ist.

16:00 Uhr: Allmählich bekomme ich auch Hunger. Und da ich heute so viel Aal gesehen und bereits einen kleinen Aral-Snack gegessen habe, will ich heute unbedingt Unagi testen. Gleich mal recherchieren, ob es davon auch bekannte Ketten in Japan gibt.
Mein Gefühl lag richtig. Es gibt welche. Zwei sind ziemlich bekannt. Dann mal schauen, wo es eine Filiale der Kette „Unatetsu“ gibt. Alles klar, in Asakusa, wo ich gleich auf meinem Rückweg vorbeikomme, gibt es eine. Dann mal fix aussteigen und die Filiale finden. Man sind hier viele Touristen.

So, ich habe die Filiale gefunden. Die ist wirklich unscheinbar. Und wenn ich die Aalgerichte nicht auf einem Bild gesehen hätte, wäre ich vorbeigelaufen. Dann mal Schiebetür auf … oh die geht schwer … und rein.
Ich wurde gerade von der Inhaberin darauf hingewiesen, dass es hier Aal gibt. Hat mich so gewundert, dass ich sie gleich mal gefragt habe, ob viele Touristen nicht verstehen, was es hier zu essen gibt. Sie nickte nur. Scheint wirklich ein Problem zu sein. Jetzt bestellen über eine Webseite. Dann warten … Super, das Essen ist da. Sieht lecker aus. Hmmm, schmeckt auch lecker.

17:30 Uhr: Ich wollte eigentlich gerade noch eine kleine Runde machen, habe aber dann in der U-Bahn festgestellt, wie fertig ich bin. Deswegen mache ich Feierabend für heute. Die nächste Abendtour muss warten.
Etwas Amüsantes habe ich aber trotzdem noch gesehen. Hier in Asakusa ist gerade eine große Menge an Touristen mit ihren Koffern ausgestiegen. Teilweise sind die Koffer so groß, dass jetzt alle den Fahrstuhl nutzen möchten. Der Stationsverantwortliche versucht deswegen, diese jetzt alle in einer Reihe zu platzieren. Problem ist nur: Die Schlange ist so lang, dass dazwischen eine Bank ist, auf der Fahrgäste sitzen, die auf ihre U-Bahn warten. Er hat echt zu tun.

