30.04.2024 – Tokio: Tokaiko Street, Oimachi Tracks & Kawasaki

08:00 Uhr: Good morning Tokio. Die erste Nacht nach der Landung ist immer am heftigsten. Gestern bin ich bereits um 20 Uhr ins Bett gegangen und war dann um Mitternacht noch mal drei Stunden putzmunter. Jetzt um 8 Uhr könnte ich zwar immer noch weiterschlafen, aber ich muss raus. Ansonsten wird es heute nichts mehr. 😂

Deswegen erst einmal wieder in die tägliche Routine hineinkommen. Also Aussicht genießen, Kaffee trinken, Frühsport machen, aber vor allem munter werden. Kurzer Check am Rechner und kurzer Wetter-Check. Dann geht’s los.

09:30 Uhr: Mein erstes Ziel für heute ist es, ein Stück der alten Tōkaidō-Straße abzulaufen. Das war früher eine der Routen durch Japan, die nach Edo, dem heutigen Tokio, führten. Entlang dieser wurden dann später auch die ersten Zuglinien gebaut.

Apropos Züge: Ich habe gerade diese Ecke in Tokio entdeckt. Wow, hier rauschen wirklich Züge überall vorbei. Die Arbeiter scheinen hier auch nur gefühlt im Minutentakt arbeiten zu können, da sie ihre Arbeiten immer wieder unterbrechen müssen, wenn ein Zug kommt.

Wenn man denkt, da geht nichts mehr, kommt irgendwo eine Toilette her. Ich befinde mich nämlich gerade an meinem Startpunkt der Tōkaidō-Straße. Und dachte mir so: „Eine Toilette wäre jetzt super.“ Und siehe da, direkt an den Bahngleisen befindet sich eine.

Das tat gut. Und jetzt geht es los zu meiner Erkundungstour. Die Strecke ist rund 5 km lang. Aber da ich links und rechts abzweigen möchte, wird es wahrscheinlich etwas länger als nur eine Stunde dauern.

Ich lasse mich gerade von Google hier auch mal durch die Gassen führen, die links und rechts von der Tōkaidō-Straße liegen. Was mir auf der Straße aber bereits aufgefallen ist: Die Strommasten scheinen hier neu installiert worden zu sein. Ich kann mich daran erinnern, dass 2015, bei meinem ersten Besuch, diese noch etwas sporadischer verlegt aussahen.

Oh, gerade ein kleines Highlight von diesem Viertel entdeckt. Diesen alten Brunnen soll es hier früher überall gegeben haben. Das war jetzt wirklich Glück, dass ich über einen gestolpert bin. Wenn man nicht weiß, wonach man Ausschau halten muss, sieht man diese eigentlich nicht mehr.

Auf geht es zum ersten Abzweig. Hier um die Ecke befindet sich der Shinagawa Shrein. Der Schrein ist einer der zehn Tokyo-Jissha-Schreine, die von Kaiser Meiji als Ring um den Kaiserpalast bestimmt wurden, und ein Symbol der neuen Ära waren.

Ich bin gerade begeistert von diesem Steintorii. Wow, die Drachenverzierungen sehen schon sehr beeindruckend aus. Das Tor wurde 1925 vom Steinmetz Takahashi Yasugorō erschaffen und die beiden Drachen sollen Yin und Yang symbolisieren.

Ich beobachte gerade eine Kindergartengruppe. Diese erkennt man immer an ihren bunten Mützen. Und sehr interessant, wie ihnen beigebracht wird, wie man sich in einem Schrein zu verhalten hat.

Sie stellen sich gerade in einer Zweierreihe vor dem Torii zum Schrein auf. Dann dürfen sich immer zwei davor verbeugen. Anschließend gehen sie durch und die nächsten sind dran. Die Erzieherinnen helfen dabei, das Ritual ordentlich durchzuführen.

In dem Schrein gibt es im Übrigen noch ein weiteres Highlight. Hier befindet sich die höchste Nachbildung des Mount Fuji. Der künstlich aufgeschüttete Hügel ist 15 m hoch. Er besteht aus Original-Lavagestein vom Mount Fuji.

Warum hatte man diesen Hügel hier angelegt? Man wollte damit Japanern in Tokio ermöglichen, auch symbolisch auf den Mount Fuji zu gelangen, in einer Zeit, als die Anreise zum Mount Fuji noch nicht für jeden möglich war. Deswegen sind hier auch die neun Stationen des Aufstieges zum Mount Fuji symbolisch markiert.

Ich habe gerade an einem Schrein eine Infotafel entdeckt. Auf der wurde mir erst mal bewusst, dass es hier auf der Route der Tōkaidō-Straße 100 Spots gibt, die man sich in Ruhe ansehen kann.

Die Straße ist somit für sich alleine schon eine eigene Sehenswürdigkeit. Und wenn man sich die Zeit nimmt und sich zu den einzelnen Spots mit KI etwas erzählen lässt, reist man hier wirklich in der Geschichte zurück.

Whoa, was ist das? Ein 24-Stunden-Wäscheservice? Muss ich gleich mal recherchieren. Interessant, dabei handelt es sich wirklich um eine kleine Kette hier in Shinagawa. Ihr Name ist New Perry, also neues Paris. Sie wurde 1966 gegründet.

Das Besondere an ihr soll sein: Sie reinigt in kleinen Chargen. Man kann seine Sachen in den Automatenschränken rund um die Uhr abgeben und, sobald sie gereinigt sind, auch wieder rund um die Uhr abholen.

Wow, ich bin wirklich gerade begeistert davon, wie viele kleine Mini-Parks mit Sitzgelegenheiten und öffentlichen Toiletten es hier gibt. Gefühlt aller 100 m hat man hier so etwas.

Ich hatte ja gestern erwähnt, dass es überall ausreichend Sitzmöglichkeiten gibt. Aber hier in dem Viertel scheint das wirklich extrem zu sein. Darauf muss ich die nächsten Tage mal genauer achten, ob das überall so ist oder gerade eine subjektive Wahrnehmung meinerseits.

11:00 Uhr: Ich bin gerade am ältesten Tempel hier in Shinagawa angekommen, dem Honsenji-Tempel. Er wurde um 800 gegründet, also vor über 1.200 Jahren. Das Tempelgelände ist überschaubar. Aber ein kleines historisches Highlight habe ich trotzdem entdeckt.

Der Tempel hat eine große Glocke (Bonshō), die eine verrückte Reise hatte. 1657  wurde sie in Kyoto gegossen, als Erinnerung an die ersten drei Tokugawa-Shogune. 1867 schickte man sie zur Pariser Weltausstellung, wo sie anschließend spurlos verschwand. Später tauchte sie im Park des Ariana-Museums in Genf wieder auf, wo sie 1919 von einem japanischen Studenten identifiziert wurde. Erst 1930 kam sie wieder zurück nach Japan.

Und gerade ein weiteres Highlight entdeckt und etwas Neues erfahren. Die Breite der Tōkaidō-Straße entspricht heute immer noch der Originalbreite, wie sie in der Edo-Zeit war.

An der Straße gab es 53 offiziell anerkannte Poststationen, an denen man früher übernachten und seine Vorräte auffüllen konnte. Die Zahl 53 basiert auf den 53 buddhistischen Heiligen, die der buddhistische Schüler Sudhana auf seiner Suche nach Erleuchtung besuchte. Heute findet man in Shinagawa 53 Steinsäulen, welche diese Poststationen symbolisieren.

Whoa, Geschichte pur. Ich habe gerade eine Statue von Sakamoto Ryōma entdeckt. In Deutschland ist dieser nahezu unbekannt und erstmalig bin ich auf ihn in Nagasaki gestoßen. Er ist in Japan jedoch eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, da er maßgeblich an der Gründung der modernen japanischen Nation beteiligt war.

Die Statue steht hier, weil 1853 ein Brief gefunden wurde, in dem beschrieben wird, dass Ryōma die Hamakawa-Batterie (Geschützstellung) hier an dieser Stelle in Shinagawa bewachte. 1853 war das Jahr, als Commodore Perry mit seinen „schwarzen Schiffen“ nach Japan kam und das Land zwang, sich zu öffnen.

12:15 Uhr: Ich bin endlich an meinem Ziel angekommen, der Suzugamori-Hinrichtungsstätte. Diese war eine der zwei Hinrichtungsstätten der Shogun-Zeit. Sie befand sich bewusst am Eingang von Edo, um alle darauf hinzuweisen, was passiert, wenn man die Regeln bricht.

Über 100.000 Menschen sollen hier getötet worden sein, der erste 1651 und der letzte 1871. Ursprünglich lag die Stelle direkt am Meer, aber aufgrund von Landgewinnung hat man jetzt das Gefühl, sie befindet sich mitten in der Stadt.

Ich starte jetzt zu meinem nächsten Ziel, dem „OIMACHI TRACKS“. Das ist ein neu eröffneter Gebäudekomplex, der sehr modern gestaltet ist und viel Grün besitzen soll.

Oh, ich sehe gerade, Google navigiert mich hier wirklich auf einer interessanten Route. Anstatt an den Hauptstraßen entlangzugehen, werde ich hier durch kleine Parkanlagen geführt. Sehr nice.

13:15 Uhr: Ich bekomme gerade mit, wie langsam der Hunger durchkommt. Und da ich bereits am Ziel angekommen bin, werde ich doch gleich eine weitere Kette auf meiner To-do-Liste abhaken. Yoshinoya heißt diese und sie ist für ihr Gyudon bekannt.

Das erste Restaurant wurde 1899 in Nihonbashi (Tokio) eröffnet. Und der Gründer soll auch der Erfinder von Gyudon sein. Das Motto der Kette ist im übrigen: „Lecker, günstig und schnell“. Und schnell ging das wirklich. Denn ich hatte noch gar nicht richtig bezahlt, da war das Essen schon da. Yummy, yummy.

So, jetzt bin ich aber erst einmal gestärkt und es kann weitergehen. Ich habe zwischendurch mal ein bisschen recherchiert, was es mit dem neuen Gebäudekomplex überhaupt auf sich hat. Und dabei erfahren, dass der Name Tracks eine Bedeutung hat. Das Ganze ist Teil eines Gesamtprojektes von JR East. Von hier aus hat man einen Ausblick auf das Yamanote-Line-Zugdepot und  dessen Gleisanlagen.

Zudem ist der Komplex im Gegensatz zu dem Takanawa Gateway City, in dem ich gestern war, urbaner angelegt. Das bekommt man hier auch sofort mit, da hier viel mehr Japaner unterwegs sind und es richtig viele interessante Cafés und Restaurants gibt. Das Ganze wirkt wirklich sehr gemütlich mit viel Grün.

Whoa, man bemüht sich hier wirklich, das Ganze in einem schicken Zustand zu halten. Ich beobachte gerade die Gärtner, wie sie hier die vertrockneten Blüten abpflücken. Bei dem ganzen Grün, was ich hier sehe, ist das ein 365-Tage-Job.

Ich schlendere gerade noch etwas umher. Aber ich kann jetzt schon sagen: Das Teil gehört auf meine Favoritenliste. Macht wirklich Spaß, hier auf den geschwungenen Pfaden entlangzulaufen und die verschiedenen Ebenen zu erkunden.

14:00 Uhr: Ich habe noch etwas Zeit und die Wetteraussichten sind doch besser als erwartet. Eigentlich sollte es jetzt schon regnen, aber das scheint sich aktuell um ein paar Stunden nach hinten verschoben zu haben. Hmm, was mache ich jetzt?

Google Maps und meinen Markierungen sei Dank. Hier um die Ecke ist ein weiterer Spot, den ich mir ansehen wollte. Dieser liegt in Kawasaki, gefühlt am Stadtrand von Tokio, aber eigentlich noch mitten in der City. Dann mal los.

Wow, ich bin hier gerade durch eine unterirdische Passage gelaufen, die mich an die erinnerte, welche ich letztes Jahr in Kobe entdeckt hatte. Hier ging es gefühlt mehrere Etagen in die Tiefe.

Aber ich bin auch schon an meinem ersten Spot angekommen, natürlich auf einer Aussichtsplattform. Diese befindet sich in dem lokalen Rathaus und ist natürlich kostenfrei. Geöffnet hat sie auch. Dann mal hinauf und die Aussicht genießen. Whoa, sehr schön.

Und weiter geht’s zum nächsten Ziel. Mal kurz schauen. Oh, rund 40 Minuten zu Fuß entfernt. Hmm, dann nehme ich wohl lieber den Bus. Ich bin schließlich seit letztem Jahr geübt darin, wie man hier mit dem Bus von A nach B kommt.

Das war genau die richtige Entscheidung. Ich möchte nämlich jetzt hier noch einen chinesischen Garten besuchen. Und der hat nur bis 16 Uhr geöffnet. Wenn ich gelaufen wäre, wäre ich zu spät da gewesen. Klein und überschaubar, sage ich dazu nur. Aber kostenfrei, und heute gibt es hier sogar ein Cosplay-Fotoshooting. 😂

15:15 Uhr: Irgendwie bin ich gerade happy, dass ich diesen kleinen Abstecher hierher gemacht habe. Ich bin hier gefühlt gerade der einzige Ausländer, der unterwegs ist. Aber ich bekomme auch mit, dass die Japaner nicht mehr so offen gegenüber Ausländern sind wie noch vor 10 Jahren. Da ändert sich gerade einiges.

Jetzt aber erst einmal weiter zum nächsten Tempel, dem Heiken-ji. Der Tempel soll einer der bekanntesten zum Schutz vor Unglück und zur Abwehr böser Geister sein. An den ersten drei Januar-Tagen sollen bis zu 3 Millionen Menschen hierher kommen.

Ich bin gerade über die kleine Omotesando geschlendert, die sich vor Tempeln befinden und traditionell zum Schrein führen. Die meisten dieser Straßen sind gesäumt mit Geschäften und bekannt für ihre kleinen Läden, in denen man Souvenirs, Glücksbringer oder Essen kaufen kann.

Da der Tempel aber scheinbar gerade schließt, ist hier auch nicht mehr viel los. Aber einer der Ladenbesitzer hat mich so gut mit seinen Snacks verkostigt, dass ich mich erbarmen ließ und eine Tüte Kekse bei ihm kaufte. Waren nur 600 Yen, also rund 3,50 €.

16:00 Uhr: Mir qualmen gerade die Füße. Und allmählich bekomme ich auch mit, dass ich etwas müde werde. Dann werde ich mal gemütlich ins Hotel zurückmachen und, wenn es mich heute Abend doch noch mal aufrafft, eine kleine Runde gehen.

Ursprünglich wollte ich die Aussichtsplattform hier in Kawasaki noch mal bei Dunkelheit besichtigen, aber das schiebe ich auf einen der nächsten Tage. Jetzt weiß ich ja, wie ich schnell hierherkomme und wo sie sich befindet. Das ist echt eine schnelle Verbindung von meiner Unterkunft bis hierhin.


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