Wie KI mir half, einen Streit mit der Rundfunk-Gebührenzentrale zu führen

Nicht schlecht wunderte ich mich, als ich Ende April einen Brief von der Gebühreneinzugszentrale erhielt. In diesem bat man mich, mir mitzuteilen, welche Rundfunkbeitragsnummer auf meine Wohnung angemeldet wäre. Ohne schlimme Folgen zu befürchten, gab ich die Daten online ein. Dann begann eine Tortur, die sich anfühlte wie Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen … wenn mir da nicht die KI zu Hilfe gekommen wäre.

Ungefähr zwei Wochen nach der Eingabe meiner Daten erhielt ich einen weiteren Brief von der Gebühreneinzugszentrale. Darin wurde mir mitgeteilt, dass ich nun ein neues Beitragskonto hätte und die Gebühren der letzten drei Jahre nachzahlen sollte. Gesamtsumme: 754,78 Euro. Der Grund: Die von mir übermittelte Beitragsnummer sei einer Betriebsstätte zugeordnet, nicht einer Privatwohnung.

Eine Zahlungsaufforderung? Obwohl ich bereits bezahle? Das wollte ich nicht unkommentiert lassen. Und um keine Frist verstreichen zu lassen, musste ich reagieren.

Da ich allerdings wenig Lust auf ein bürokratisches Antwortschreiben hatte, probierte ich aus, diese Antwort mithilfe von ChatGPT zu erstellen.

Zuerst fotografierte ich das Schreiben der Gebühreneinzugszentrale mit meinem Smartphone. Anschließend ließ ich den Text via Google Lens auslesen. Diesen Text gab ich bei ChatGPT ein und bat um eine Antwort mit der Anweisung:

“Formuliere mir eine Antwort auf das Schreiben, in dem du erneut auf die Informationen 

eingehst, die ich übermittelt habe. Verfasse das ganze in Beamtendeutsch“

Was ich anschließend erhielt, machte Spaß auf mehr. Die Formulierung war treffend. Nur ein paar Fakten musste ich noch anpassen. Ich hatte noch nie so viel Freude an der Formulierung von Schreiben an eine Institution. Für mich war klar: „Challenge accepted“.

Jetzt musste ich alles nur noch in Form bringen, ausdrucken und dann ging es per Einwurfeinschreiben zurück an die Gebühreneinzugszentrale.

Eine Frage ließ mir aber keine Ruhe. Wie kam die Gebühreneinzugszentrale darauf, dass es sich bei meiner Wohnanschrift um eine Betriebsstätte handelte? Zusätzlich fand ich heraus, dass die Beiträge, die ich bezahlte, zwar von der Höhe her stimmten, aber nicht im Hinblick auf den Zahlungsturnus. Das bedeutete für mich, Detektivarbeit, wie bei den 3 Fragezeichen: 

Ich überlegte, wie ich die nötigen Informationen erhalten könnte. Da ich die Schreibarbeit der KI überließ, hatte ich jetzt schließlich Zeit zum Nachdenken.

Nach einem längeren Spaziergang fiel mir die DSGVO ein. Laut dieser hatte ich ein Recht auf meine gespeicherten Daten. Also suchte ich kurz, wie ich diese anfordern kann. Und siehe da, es gab dafür sogar ein Onlineformular.

Eine Woche später erhielt ich den Code, mit dem ich meine Daten herunterladen konnte. Was ich aber fand, entsprach überhaupt nicht den Tatsachen:

Laut der Datenauskunft wurde zum 01.01.2013 eine Betriebsstätte an einer Adresse angemeldet, an der ich schon lange nicht mehr wohnte. Es handelte sich um meine alte Adresse, unter der ich tatsächlich ein Gewerbe angemeldet hatte.

Erstaunlicherweise unterschied sich die Adresse der Betriebsstätte von der eigentlichen Adresse, unter der das Beitragskonto geführt wurde. Hinzu kam, dass ich mein damaliges Gewerbe bereits im Mai 2012 auf die neue Adresse umgemeldet hatte.

Woher hatte die Gebühreneinzugszentrale somit diese Informationen? Ich weiß es nicht, aber ich habe eine Vermutung. Zum 01.01.2013 wurde der Rundfunkbeitrag umgestellt. Im Zuge dieser Umstellung wurden Daten digitalisiert, basierend auf den alten Datenbeständen. Diese Daten wurden jedoch nie mit den Beitragszahlern abgeglichen. Es wurden also einfach Daten im System hinterlegt, ohne Rückprüfung.

Soviel zum wahrscheinlichen Sachverhalt. Doch was bedeutete dies nun für mich? Das Gewerbe war bereits seit 2015 abgemeldet und ich hatte nachweislich die letzten Jahre Beiträge bezahlt. 

Auch diese Informationen gab ich der KI, mit der Bitte, mir ein weiteres Schreiben zu erstellen. Zudem legte ich Fristen im Schreiben fest, mit Optionen, wie ich vorgehen würde, sollte bis zum 31.05. keine Rückmeldung eingehen.

Das erstellte Schreiben war erneut exzellent. Es brachte mich einfach nur zum Schmunzeln. Jetzt musste ich es nur noch in Form bringen, ausdrucken und per Einwurfeinschreiben an die Gebühreneinzugszentrale senden. Ich glaube, noch nie in meinem Leben habe ich mit solcher Begeisterung ein Antwortschreiben an eine Institution verschickt.

Nach einer Woche erhielt ich die Antwort. Darin wurde mir mitgeteilt, dass das Beitragskonto, das auf die Betriebsstätte lief, aufgelöst wurde. Alle Beiträge der letzten drei Jahre wurden mit dem neu erstellten Beitragskonto verrechnet. Der offene Betrag reduzierte sich dadurch um 251,53 Euro. 

Was ist mein Fazit aus der Angelegenheit? Die Reaktionszeit, welche mir durch die KI ermöglicht wurden, war beachtlich. Ich hätte wahrscheinlich Stunden benötigt, um eine Antwort zu verfassen, mal ganz davon abgesehen, dass meine Lust darauf gleich “Null” gewesen wäre.

Trotzdem empfinde ich das System der Gebühreneinzugszentrale weiterhin als entmenschlicht. Allein die Formulierung der Schreiben lässt einem die Galle hochkommen. Es überrascht mich daher nicht, dass viele Bürger in diesem Land den Rundfunkbeitrag insgesamt infrage stellen.

Dabei finde ich das System des Rundfunkbeitrags an sich gut. Nur über die Höhe und die Verwendung der Mittel würde ich diskutieren wollen. 


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