Ich bin im Verhältnis zu den meisten Angestellten sehr viel unterwegs und oft auf Reisen.
Dabei werde ich immer wieder gefragt: „Sag mal, Ronny, ist das jetzt eigentlich eine Urlaubsreise oder ein Business-Trip?“
Meine Antwort darauf ist immer: Es ist etwas von beidem. Und zwar aus gutem Grund.
Meine wichtigste Erkenntnis: Abstand ist essenziell
Für mich ist das Wichtigste bei einer solchen Reise, dass ich echten Abstand zu meinem eigenen Unternehmen gewinne. Ich habe gemerkt, dass ich aus der Ferne noch viel intensiver auf mein Business blicke, als wenn ich täglich direkt in die Abläufe integriert bin und im operativen „Klein-Klein“ stecke.
Was bringt mir das konkret?
Einerseits sehe ich plötzlich sehr klar, was bereits richtig gut funktioniert. Ich erkenne aber auch sehr schnell, wo es kritische Punkte gibt, oder geben könnte, die ich unbedingt abstellen muss. Oft fallen mir erst aus der Distanz die Dinge auf, für die ich dringend eine Notfalllösung bereithalten sollte.
Wie ich Reisen als Inspirationsquelle nutze
Der zweite Punkt ist für mich die Inspiration. Jede Reise ist für mich immer auch eine „Inspirationsreise“. Ich habe endlich Zeit, strategisch über das Unternehmen nachzudenken und mir zu überlegen, wie es sich weiterentwickeln soll. Ich mache das eigentlich automatisch; ich nehme mich ja gedanklich nie zu 100 % aus dem Unternehmen heraus.
Mir persönlich macht es dabei extrem viel Spaß, den Ablauf von Prozessen anderswo zu beobachten. Egal wo ich bin, ich stelle mir die Frage: „Wie machen die das hier? Und was davon könnte ich übernehmen?“
Ich habe festgestellt, dass diese Ideen und Inspirationen meist ad hoc kommen und sich nicht am Reißbrett planen lassen. Manchmal bekomme ich innerhalb eines Tages mehrere Ansätze, was ich optimieren könnte. An anderen Tagen sammle ich erst einmal nur Eindrücke, die dann später zu neuen Ideen reifen.
Planbar ist für mich deswegen nur die Auszeit an sich, also die bewusste Zeit, um meinen Blick auf das Unternehmen zu schärfen.
Mein Lifehack: Wie ich mich selbst austrickse
Ich kenne den Gedanken gut: „Ich kann doch hier nicht einfach weg.“ Oder: „Das passt gerade zeitlich nicht.“
Dafür habe ich einen ganz einfachen Trick entwickelt, den ich seit Jahren anwende:
- Langfristige Planung: Ich plane die Zeiten definitiv ziemlich zeitnah, oft sogar ein Jahr oder spätestens ein halbes Jahr im Voraus fest in meinen Kalender ein.
- Die künstliche Zwangslage: Sobald die Auszeit feststeht, buche ich bereits zwei bis drei Monate vorher sämtliche Flugtickets und Unterkünfte. Und das Wichtigste: Ich bezahle einen Teil davon auch sofort.
Damit bringe ich mich selbst in eine gewisse Zwangslage. Ich komme aus der Nummer nicht mehr einfach so raus, ohne Geld zu verbrennen. Das sorgt dafür, dass ich es auch wirklich durchziehe.
Meine Vorbereitung: Loslassen lernen
Natürlich konnte ich nicht von heute auf morgen verschwinden. Das war bei mir eine längere Planungsphase. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um die Prozesse zu analysieren, bei denen ich noch eine aktive Rolle einnehme.
Nach und nach habe ich diese Prozesse dann an meine Mitarbeiter abgegeben.
Meine wichtigste Erkenntnis war dabei: Es handelte sich fast immer um Prozesse, die direkt mit dem Kunden in Verbindung stehen. Also sämtliche Kundenkontakte, Betreuung, Gespräche, also letztendlich alles, was in irgendeiner Form abrechenbaren Umsatz einbringt.
Diese Aufgaben habe ich über einen längeren Zeitraum auf das Team übertragen und mich selbst konsequent aus dieser Rolle herausgenommen.
Meine Erfahrung mit „Notfällen“
Früher hatten mein Geschäftspartner und ich die Vereinbarung, dass immer einer von uns vor Ort ist, um im Notfall reagieren zu können. In den letzten Jahren sind wir aber dazu übergegangen, auch zu zweit zu verreisen.
Wir haben das seit Beginn des Unternehmens immer mal wieder für eine Woche getestet, um zu sehen: Was für Notfälle tauchen überhaupt auf?
Und ich sage es mal so: Im wirklich extremsten Notfall kann ich meinen Plan immer noch abbrechen, das Geld in die Hand nehmen und zurückfliegen.
Aber aus mittlerweile über zehn Jahren Erfahrung kann ich sagen: Das ist noch nie eingetreten. Mir fällt aktuell auch kein Szenario ein, wodurch das wirklich einmal notwendig wäre.
Deshalb mein Rat aus Erfahrung an alle Unternehmer: Traut euch, bucht das Ticket und gewinnt den nötigen Abstand. Euer Unternehmen wird es euch danken.

