Wie könnte die Künstliche Intelligenz (KI) die Reisebranche revolutionieren? Diese Frage beschäftigte mich, als ich aus meinem Japanurlaub zurückkehrte. Dort habe ich verschiedene Funktionen eines speziell erstellten KI-Reiseführers genutzt. Die Erfahrungen auf der Reise, haben mich inspiriert, über die potenzielle Rolle der KI auf zukünftigen Reisen nachzudenken und wie sie die Branche verändern könnte.
Der KI-Reiseführer: Die Vorbereitung
Vor meiner Reise habe ich einen speziell angepassten GPT innerhalb der ChatGPT-Plattform konfiguriert, den ich fortan einfach als ‚KI-Reiseführer‘ bezeichne, um seine Rolle während meiner Reise zu verdeutlichen.
Diesen GPT habe ich mit Grundbefehlen gefüttert und darauf eingestellt, sich bei seinen Antworten auf Japan zu beziehen. Er sollte mir ermöglichen, ohne Verzögerung Informationen zu allem abzufragen, was mich interessierte. Nachdem ich mich an das Tool gewöhnt hatte, begann ich, es in der dritten Woche meiner Reise intensiv zu nutzen.
1. Übersetzungen in Echtzeit
Das Erste, was ich ausprobierte, war die Übersetzungsfunktion der KI. Ein Foto von einer Speisekarte oder einem Schild genügte, und die KI lieferte mir sofort eine Übersetzung. Das ermöglichte es mir, im Restaurant meistens mühelos zu bestellen.
Diese Funktion war besonders nützlich, da sie sprachliche Barrieren effektiv überwand und mir eine sofortige Verständigung ermöglichte. In praktischer Anwendung konnte ich so die kulinarischen Angebote Japans erkunden, wie zum Beispiel in Izakaya Bars, bei denen die Speisekarten nur auf Japanisch vorliegen.
Jetzt könnte man einwerfen: “Das geht doch auch mit Google Lense!”. Ja, das stimmt, nur mit einer KI wie ChatGPT, kann man sich das Ganze strukturierter ausgeben lassen, also zum Beispiel, die Ausgabe in Original und der passenden Übersetzung. Dann muss man nur noch auf die Ausgabe in dem GPT tippen, um zu zeigen, was man möchte.
2. Entdecken und Lernen
Wann immer ich auf interessante Objekte wie Skulpturen oder besondere Orte stieß, half mir die KI, diese zu identifizieren. So erfuhr ich beispielsweise, dass die roten Dreiecke auf Fensterscheiben in Japan Fluchtwegrouten markieren.
Bei einem weiteren Erlebnis führte mich die Neugier zu einer Statue eines japanischen Nationalhelden, dessen Geschichte mir völlig unbekannt war. Die KI gab mir zu ihm, Hintergrundinformationen und die historische Bedeutung, die mir sonst verborgen geblieben wären oder die ich nur mit einer aufwendigen Google Recherche hätte erfahren.
Wissen vor Ort zu erfahren wird damit auf ein anderes Level gehoben.
3. Vertiefte Informationen
An interessanten Orten, konnte ich meiner KI einfach sagen, wo ich mich befand, und sie versorgte mich mit detaillierten Informationen und Empfehlungen, was ich mir genauer anschauen sollte. Diese Funktionalität der KI erwies sich als besonders vorteilhaft, als ich mich in weniger touristisch erschlossenen Gebieten befand oder nur mangelnde Informationen auf Deutsch verfügbar waren.
Beispielsweise beim Besuch eines abgelegenen Tempels lieferte die KI historische Daten und kulturelle Bedeutung des Ortes. Die KI agierte somit für mich, als ein personalisierter Reiseführer, der auf meine Standorte und Interessen zugeschnitten war, wodurch mein Reiseerlebnis wesentlich bereichert und personalisiert wurde.
4. Museumsbesuche neu definiert
Besonders nützlich war die KI in Museen. Statt einzelne Infotafeln zu lesen, konnte ich mehrere auf einmal fotografieren und mir eine zusammengefasste Information liefern lassen. Diese Funktion erwies sich als zeitsparend und effizient.
In einem speziellen Fall in einem Museum mit ausschließlich japanischen Informationstafeln ermöglichte mir die KI, die Ausstellung zu genießen, nahezu ohne sprachliche Hürden.
Dies war besonders hilfreich, da die KI in der Lage war, nicht nur die direkte Übersetzung zu liefern, sondern mir auch weiterführende Informationen gab.
5. Integrierte Datenauswertung
Bei kleineren Ausstellungen bat ich die KI, alle Daten zu sammeln und mir eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte zu geben. Dies funktionierte einwandfrei und lieferte mir ein erstes Verständnis der ausgestellten Inhalte.
In einem konkreten Beispiel einer japanischen Burg mit 15 Schautafeln, die sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch verfügbar waren, ermöglichte mir die KI, eine Etage nach der anderen systematisch zu erfassen.
Nach dem Fotografieren jeder Tafel verarbeitete die KI die Informationen und bestätigte, dass sie die Texte korrekt identifiziert und verstanden hatte. Zum Schluss erhielt ich eine Zusammenfassung aller Informationen, also faktisch ein Infopaper zu der Burg.
Herausforderungen und Grenzen der KI
Trotz der aktuellen Fähigkeiten gab es auch Momente, in denen die KI scheiterte. Bei einigen Museumsbesuchen konnte die KI Informationen auf Infotafeln mit zu kleinem Text nicht identifizieren.
Dies zeigt mir, dass die Technologie noch ihre Grenzen hat, insbesondere bei der visuellen Erkennung und Verarbeitung von komplexen oder subtilen Daten. Solche Einschränkungen erfordern manchmal menschliches Eingreifen oder eine alternative Informationsbeschaffung.
Zusätzlich stieß die KI gelegentlich an ihre Grenzen, wenn es um die Interpretation von Bildmaterial ging, das spezifisches kulturelles Wissen erforderte, welches nicht in ihrer Datenbank hinterlegt war. (gelöst durch Websuche)
In solchen Fällen waren die von der KI gelieferten Informationen unvollständig oder irreführend, was die Notwendigkeit eines kritischen menschlichen Überblicks unterstreicht, um die von der KI generierten Auskünfte zu verifizieren und gegebenenfalls zu korrigieren.
Mögliche Veränderungen in der Reisebranche
Diese Erfahrungen lassen mich über die zukünftige Rolle der KI in der Reisebranche spekulieren.
Reiseleiter
Reiseleiter könnten durch KI nicht vollständig ersetzt werden, da organisatorische Aufgaben und persönliche Interaktion weiterhin wichtig sein werden.
Jedoch könnte die KI als ergänzender Assistent dienen, der auf individuelle Fragen der Reisenden eingehen kann. KI könnte sich als ideales Werkzeug für Reiseleiter erweisen, indem sie zusätzliche Informationen bietet und auf Fragen der Reiseteilnehmer eingehen kann.
Diese Technologie könnte es jedem Teilnehmer einer Reisegruppe ermöglichen, genau die Informationen zu erhalten, die er benötigt, ohne dass der Reiseleiter überfordert wird. Dies könnte besonders nützlich sein, um die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse innerhalb einer Gruppe zu bedienen.
Gamification
Zudem könnte KI in einer spielerischen Weise eingesetzt werden, um Reisende dazu zu animieren, interessante Dinge während ihrer Tour zu fotografieren und abends beim gemütlichen Zusammensein zu diskutieren.
Dies könnte in Form einer Challenge oder einer Gamification des Reiseerlebnisses geschehen, wobei die Reisenden angeregt werden, ihre Entdeckungen über die KI verifizieren und erklären zu lassen.
Der Reiseleiter könnte dabei schnell die Richtigkeit der durch KI bereitgestellten Informationen bestätigen oder korrigieren und so ein interaktives und informatives Gruppenerlebnis schaffen.
Museen
Die größte Transformation sehe ich bei Museen, die ihre Informationsdarbietung anpassen könnten, um KI-Tools zur Verfügung zu stellen. Dies würde Besuchern ermöglichen, individuell und interaktiv mehr über Exponate zu erfahren, ohne sich strikt an vorgegebene Pfade halten zu müssen.
Darüber hinaus könnte die Implementierung von KI in Museen dazu führen, dass digitale Führungen und Ausstellungen personalisiert werden, um den Lernstil und die Interessen jedes Besuchers anzusprechen.
Besucher könnten beispielsweise die Tiefe der Informationen, die sie erhalten, anpassen oder zusätzliche Inhalte zu spezifischen Kunstwerken oder Artefakten anfordern, die über das Standardangebot hinausgehen.
Dies würde nicht nur die Bildungsfunktion von Museen verstärken, sondern auch ein tieferes Engagement und eine längere Verweildauer der Gäste fördern.
Mein Fazit
Die Nutzung von KI als Assistent und Begleiter hat das Potenzial, die Reiseerfahrungen grundlegend zu transformieren, indem sie schnelle, effiziente Lern-, Informations- und Übersetzungstools bereitstellt.
Dieser Einsatz von Technologie könnte bald zu einem wesentlichen Bestandteil moderner Reisen werden, der nicht nur den Zugang zu Informationen erleichtert, sondern auch die Art und Weise, wie wir neue Orte entdecken und erleben, nachhaltig prägt.
Während wir auf diese Entwicklungen zusteuern, sollten wir bedenken, dass es nicht die KI selbst ist, die Arbeitsplätze ersetzt, sondern diejenigen, die KI nutzen, um ihre Arbeitsweise zu verbessern.
Deswegen glaube ich, in einer Welt, die sich immer schneller verändert, könnte die KI der Schlüssel sein, um nicht nur Schritt zu halten, sondern die Reisebranche neu zu definieren und Reisen intensiver erlebbar zu machen.
Update Dez. 2025
Seit etwas mehr als einer Woche bin ich nun zurück aus Japan. Wie immer war es inspirierend, aber diese Reise war erstmalig eine, nach meiner Ansicht, komplette KI-unterstützte Reise.
Was hat sich geändert?
Die ersten KI-Erfahrungen auf einer Reise mit KI hatten wir bereits 2023 gemacht. Damals war die Bilderkennung von ChatGPT gerade online gegangen und diese nutzten wir, um uns bestimmte Orte oder Objekte näher erklären zu lassen.
Im letzten Jahr, 2024, habe ich KI zudem eingesetzt, um Recherchen durchzuführen. Zusätzlich half mir die Sprach- KI in der Kommunikation mit Japanern, die kein Englisch sprechen und mit denen ich mich somit nur auf Japanisch hätte unterhalten können.
Was in diesem Jahr hinzugekommen ist, ist die aktive Suche über KI-Suchmaschinen. Hier habe ich in erster Linie Perplexity eingesetzt, hätte aber auch problemlos ChatGPT mit Browser-Aktivierung und Gemini verwenden können.
Gefühlt war die KI aber ständiger Reisebegleiter und ich setzte sie für alles ein.
- für Kommunikation mit Japanern in jeglicher Art, also auch in Geschäften, Restaurants oder an Punkten, an denen ich ein kurzes Feedback oder eine kurze Rückfrage hatte.
- Für Recherche von Informationen, die ich vor Ort schnell benötigte, ohne dass ich mich durch Webseiten arbeiten muss. Zum Beispiel, wie das Greencar-System in den JR-Linien funktioniert und wie man dieses schnell als Tourist verwenden kann.
- Und natürlich für Recherchen und Informationen vor Ort, wenn ich etwas Interessantes gesehen habe, um mir schneller Feedback oder weitere Informationen zu organisieren.
Die KI war somit eine Art Touristenführer, nur eben in meiner Hosentasche und auf mich zugeschnitten.
Auf einen eigens erstellten GPT habe ich unterdessen komplett verzichtet. Das hätte mich in meinem individuellen Verhalten zu sehr eingeschränkt. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass eine Plattform, die bestimmte Dinge vordefiniert, für viele Nutzer praktikabler wäre, als immer intuitiv auf die passende Situation zu reagieren.

