Warum ich für sinnstiftende Arbeit statt eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) bin

Ich bin seit ein paar Wochen aus Südkorea zurück. Zum Zeitpunkt meiner Reise fanden hier gerade vorgezogene Wahlen statt. Einer der Kandidaten beabsichtigt, ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) in Südkorea einzuführen. Dieser Kandidat hat auch die Wahl gewonnen, sodass das Thema jetzt in Südkorea relevanter wird. 

Ich beschäftige mich seit mehreren Jahren schon mit dem Thema des bedingungslosen Grundeinkommens. Die ersten Informationen dazu konsumierte ich bereits 2010, also kurz nach dem Platzen der Immobilienblase und der darauffolgenden Finanzkrise. 

Ich war damals ein großer Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens und habe mir zu dem Zeitpunkt die Pro- und Kontra-Argumente angehört. Die Gegenargumente, die vor allem in die Richtung gingen, dass die Leute sich dann nur auf die faule Haut legen würden, sehe ich weiterhin nicht als ein wichtiges Gegenargument, sondern nur als eine Mutmaßung. 

Warum ich nicht mehr für ein BGE bin

Ich konnte mir gut vorstellen, dass diese Idee viele aktuelle, aber auch zukünftige Probleme lösen könnte. In der Zwischenzeit sehe ich dies aber etwas differenzierter

Der Grund dafür ist die Erfahrung, die ich aus der Corona-Pandemie mitgenommen habe. Zum damaligen Zeitpunkt hat man in Deutschland eine Art Grundeinkommen eingeführt, gleichzeitig aber auch ein Großteil der Menschen zum Nichtstun verdammt. 

Was danach passierte, dessen Auswirkungen sehen wir heute noch. Anstatt die Zeit sinnvoll zu nutzen und kreativen Aktivitäten nachzugehen, hat der Populismus Aufschwung gehalten. Ich gehe deswegen davon aus, dass der Großteil der Menschen nicht dazu in der Lage ist, eigene Vorstellungen von einem erfüllten Leben für sich selbst durchzudenken und daran zu arbeiten, dies auch umzusetzen. 

Ich bin aber weiterhin fester von überzeugt, dass wir zukünftig ein anderes Einkommensmodell benötigen, gerade auch im Hinblick der aktuellen technischen Entwicklungen, die es uns ermöglichen, mit immer weniger Menschen eine ausreichende und komfortable Grundversorgung aller Menschen zu gewährleisten. 

Warum ich mir ein BGE für Kinder und Rentner wünsche

Ich kann mir deswegen gut ein zweigeteiltes System vorstellen. Das erste System ist ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dieses greift im Kindesalter und im Rentenalter. 

  1. Im Kindesalter haben wir dieses System schon fast in der Form von Kindergeld. Wir nennen dies nur nicht bedingungsloses Grundeinkommen, sondern eben Kindergeld.
  2. Im Rentenalter fehlt uns dieses System jedoch noch. Hier gibt es eine Grundsicherung, die aber nicht bedingungslos ist. Ich bin hier jedoch der Meinung, dass wir jedem alten Menschen in unserem Land bedingungslos eine Rente bezahlen sollten, die ein würdevolles Dasein im Alter ermöglicht. 

Es sollte dabei keine Rolle spielen, wie viel diese Person in irgendwelche Systeme eingezahlt hat, da ich immer davon ausgehe, dass ein gesellschaftlicher Nutzen hinter den vergangenen Lebensjahren steckt. Auch hier gibt es sicherlich Ausnahmen, die das System aber problemlos verkraften kann. 

Das Ganze hätte noch den netten Nebeneffekt, dass wir als Gemeinschaft zeigen würden, ältere Menschen auch in Zukunft würdevoll zu behandeln. Dies hätte positive Effekte auf jüngere Menschen, die sehen, dass sie im Alter auch nicht alleine gelassen werden. 

Zudem sollte man nicht den Effekt unterschätzen, der unterbewusst bei vielen Menschen entsteht, wenn sie sehen, wie ihre Eltern oder Großeltern sich tagtäglich im Alter durch das Leben kämpfen müssen. Dies führt automatisch zu einem Gefühl, dass es im eigenen Land ungerecht zugeht. 

Warum sinnstiftende Arbeit besser wäre als ein BGE

Was sollte man aber für die Gruppe der Menschen einführen, die im aktuell definierten arbeitsfähigen Alter sind? Wir benötigen hier intelligentere Lösungen, als aktuell zu versuchen, diese Menschen in den Arbeitsmarkt hineinzudrücken. 

Als Idee werfe ich hier einmal eine Bezahlung in der Höhe eines Grundeinkommens für freiwillig übernommene sinnstiftende Arbeit rein. Was verstehe ich darunter? 

In Gesprächen mit Menschen erlebe ich aktuell zwei Gruppen: 

  1. Die eine Gruppe will aktiv ihr Leben formen und verfolgt Ziele, die sie erreichen möchte. Diese Gruppe findet auch Wege, um ein Einkommen für sich zu erzielen. 
  2. Die zweite Gruppe lässt sich lieber treiben. In der Art von Gesellschaft, in der wir aktuell leben, ist dies kein Problem. Allerdings höre ich bei dieser Gruppe auch immer wieder ein sehr starkes gemeinnütziges Interesse heraus.

Diese Menschen in dieser Gruppe wollen sich nicht dem Stress aussetzen, darüber nachzudenken, wie man Geld verdient. Sie wollen stattdessen etwas Sinnvolles tun und dafür bezahlt werden. 

Unter Sinnvoll verstehen die meisten etwas Sinnstiftendes, also Arbeiten, bei denen sie ein positives Feedback von der Gemeinschaft erhalten oder einen echten Mehrwert für sich erkennen. Von diesen Arbeiten gibt es genügend, aber es gibt viel zu wenige Jobs dafür. 

Ich möchte einmal zwei Beispiele dafür benennen: 

  1. Das naheliegendste sind soziales Engagement, also Arbeiten in Pflegeeinrichtungen, älteren Menschen bei Einkäufen oder Behördenproblemen zu helfen oder bei der Betreuung von Kindern zu helfen.
  2. Ein Großteil der Menschen würde auch gerne für das Schaffen von Ordnung entlohnt werden. Dazu zähle ich z. B. das Auflesen von Müll in Parkanlagen, das Pflegen von Parkanlagen oder Wiesen. Eventuell auch kleinere Reparaturen durchzuführen bei öffentlichen Objekten wie Parkbänken.

Für alle diese Tätigkeiten hätten wir genügend Arbeit, die von Menschen erledigt werden könnte. Allerdings fehlen hier eindeutig die Jobs, um diese Arbeiten zu erledigen, da niemand bereit ist, dafür Geld auszugeben.

Wenn wir es somit zukünftig schaffen würden, solche sinnstiftende Arbeiten über eine Art Grundeinkommen zu entlohnen, indem wir den Menschen auf freiwilliger Basis die Entscheidung überlassen für welche Art von Arbeit, die sinnstiftend ist, sie entlohnt werden möchten, gehe ich davon aus, dass wir damit viele aktuellen gesellschaftlichen Probleme lösen würden. 

Ich sehe hier vor allem den größten Effekt darin, dass die Menschen eine Arbeit verrichten werden, die für sie selbst erfüllend ist und wofür sie gesellschaftlich auch definitiv Anerkennung erhalten würden. 

Unsere gesellschaftliche Zukunft wäre mehr auf das Gemeinwohl als den Profit ausgerichtet. Und wir würden die Menschen sinnvoll aktivieren, ohne dass sie sich darüber Gedanken machen müssten, wohin ihre persönliche Lebensreise gehen soll.

Auch dieses Mindset sollten wir immer mehr gesellschaftlich akzeptieren. Die Basis dafür haben wir bereits geschaffen.


Hinterlasse einen Kommentar