Kommunikation über die modernen Medien

Vor vier Jahren habe ich über die Bedeutung von Körpersprache, Stimme und Inhalt in der digitalen Kommunikation geschrieben. Mein damaliges Fazit in Zeiten von Covid: Videochat ist die effektivste Form der modernen Kommunikation, da er am nächsten an ein persönliches Gespräch herankommt.

Heute, nach mehreren Jahren Erfahrung mit Home-Office, Remote-Arbeit und digitalen Teams, zeigt sich: Das Thema ist aktueller denn je. Die Herausforderungen der digitalen Kommunikation sind geblieben und haben sich gleichzeitig verändert. Die Weiterentwicklung der Technologien und die veränderten Erwartungen der Menschen machen es notwendig, die damaligen Beobachtungen zu ergänzen und neu zu bewerten.

Die Aufteilung der Kommunikation: Körpersprache, Stimme und Inhalt

Eine zentrale Erkenntnis aus der Kommunikationsforschung, auf die ich mich bereits vor Jahren bezog, bleibt weiterhin aktuell: Kommunikation besteht nicht nur aus dem gesprochenen Wort.

Basierend auf der klassischen „55-38-7-Regel“ von Albert Mehrabian verteilt sich die Wirkung der Kommunikation wie folgt (Albert Mehrabian, Silent Messages, 1971):

  • 55 % Körpersprache (Mimik, Gestik, Haltung)
  • 38 % Stimme (Tonfall, Lautstärke, Modulation)
  • 7 % Inhalt (Worte und deren Bedeutung)

Wichtig ist dabei zu beachten, dass diese Aufteilung sich auf die Kommunikation von Gefühlen und Einstellungen bezieht und nicht pauschal auf jede Form der Kommunikation angewendet werden kann.

In neueren Erhebungen, etwa durch das Institut für Demoskopie Allensbach, wird die Rolle der Inhalte leicht stärker gewichtet, etwa in der Verteilung

  • 55 % Körpersprache
  • 26 % Stimme
  • 19 % Inhalt

Diese Werte stammen jedoch nicht aus einer explizit veröffentlichten Einzelstudie, sondern basieren auf allgemeinen Kommunikationserhebungen. Dennoch bleibt die Körpersprache der dominante Faktor.

Gerade im digitalen Raum hat dies massive Auswirkungen:

  • Schriftliche Kommunikation (z.B. E-Mail, Messenger) transportiert nur den Inhalt. Körpersprache und Stimme fehlen komplett, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen erheblich steigt.
  • Telefonate holen durch die Stimme einen Teil der Kommunikation zurück, aber die wichtige Dimension der Körpersprache fehlt weiterhin.
  • Videochats sind derzeit die beste digitale Annäherung an vollständige Kommunikation. Zwar bleibt auch hier ein Teil der Körpersprache (z.B. feine Gestik unterhalb der Kamera) verborgen, aber Mimik, Blickkontakt und Tonfall helfen erheblich, das Gesagte korrekt zu interpretieren.

Veränderte Kommunikationsgewohnheiten (2020 vs. 2025)

Zwischen 2020 und 2025 haben sich die Kommunikationsgewohnheiten in Unternehmen und Teams, nach meinen Erfahrungen, stark weiterentwickelt:

  • Videochats sind selbstverständlich geworden, ersetzen aber in den meisten Fällen persönliche Treffen nicht vollständig.
  • Asynchrone Kommunikation hat deutlich an Bedeutung gewonnen: Tools wie Trello oder asynchrone Videobotschaften helfen, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten.
  • Telefonate haben an Stellenwert verloren, da direkte Videoformate oder kurze schriftliche Nachrichten bevorzugt werden.
  • Persönliche Treffen sind heute gezielter geplant und tragen zur Vertiefung eines Kontakts bei.

Die Erkenntnis daraus: War vor Covid der erste Kontakt meistens ein persönlicher, hat sich dieser in unserer heutigen Zeit ins Digitale verlagert. Der erste Kontakt findet heute häufig über einen anderen Weg statt, und ein anschließendes persönliches Treffen führt zur Vertiefung der Beziehung.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Dies belegen auch neuere Studien, die sich mit digitaler Kommunikation befasst haben. Zwei zentrale Entwicklungen sind besonders relevant:

  • Zoom-Fatigue: Studien zeigen, dass Videochats eine höhere kognitive Belastung erzeugen als persönliche Gespräche. Gründe sind unter anderem das ständige Starren auf den Bildschirm, die reduzierte Wahrnehmung der Körpersprache und die erhöhte Selbstbeobachtung.
    Diese Informationen und Erkenntnisse sind wichtig, wenn man Online-Meetings ansetzt. Lange Meetingzeiten, wie sie früher offline durchaus üblich waren, würde ich deswegen online nicht empfehlen. [1] [2]
  • Asynchrone Kommunikation und Selbstbestimmung: Untersuchungen bestätigen, dass Mitarbeiter durch zeitversetzte Kommunikation (E-Mail, Trello, Slack) stressfreier arbeiten können, da sie Informationen dann aufnehmen und verarbeiten, wenn es für sie passt.
    Nach meinen Erfahrungen kann dies tatsächlich helfen, die Arbeitsbelastung zu reduzieren – allerdings nur, wenn klar geregelt ist, welche Reaktionszeiten im Unternehmen erwartet werden. [3]

Eigene Erfahrungen aus vier Jahren Home-Office und Remote-Work

In den letzten vier Jahren habe ich herausgefunden, dass erfolgreiche digitale Kommunikation auf drei Prinzipien basiert:

  • Klarheit vor Geschwindigkeit: Schnell verschickte Nachrichten führen oft zu Missverständnissen. Eine klare, strukturierte Kommunikation spart langfristig Zeit.
    Wir weisen deswegen unser Team regelmäßig darauf hin, sich in die Empfängerrolle zu versetzen und Nachrichten so zu formulieren, dass sie ohne Nachfragen verständlich sind.
  • Das richtige Medium für die richtige Botschaft:
    • Informationen? Schriftlich und klar strukturiert.
    • Diskussionen? Videochat, möglichst mit Aufnahme und automatischer Transkription.
    • Entscheidungen? Per Video oder persönlich, mit klarer Dokumentation und Rückfrage, ob das Gesagte richtig verstanden wurde.
  • Bewusst geplante Interaktion: Informelle Gespräche entstehen im digitalen Raum nicht zufällig, sondern müssen bewusst initiiert werden. Spontane „Smart Talk“-Runden, wie bei Offline-Treffen, gibt es online nicht automatisch.
  • Austausch fördern: Im digitalen Raum ist es noch wichtiger, die eigene Redezeit bewusst zu begrenzen und dem Gegenüber ausreichend Raum zu geben, sich mitzuteilen.
    Wer spricht, sollte sich klar und deutlich ausdrücken, gleichzeitig aber darauf achten, dass alle Beteiligten die Möglichkeit erhalten, ihre Gedanken einzubringen. Gerade in virtuellen Meetings ist es entscheidend, aktiv dafür zu sorgen, dass niemand untergeht und jeder zu Wort kommt.
    Wer empathisch formuliert und bewusst den Austausch fördert, verbessert die Beziehungsebene erheblich.

Fazit: Bewusste Kommunikation als Schlüssel zur Effizienz

Die Art und Weise, wie wir heute kommunizieren, hat sich grundlegend verändert. Während der Covid-Pandemie wurde dieser Wandel beschleunigt. Auch wenn manche heute in alte Muster zurückfallen, haben sich neue Kommunikationsformen weitgehend durchgesetzt.

Deshalb ist es entscheidend, dass wir uns bewusst mit den veränderten Kommunikationsmechanismen auseinandersetzen. Nur wer versteht, welche Rolle Körpersprache, Stimme und Inhalt spielen und wie moderne Technologien Kommunikationsmuster beeinflussen, kann effizienter und zielgerichteter kommunizieren.


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